27/05/2026
Viele Eltern mit hochbegabten Kindern, die ich begleite, beschreiben mir den Morgen als die härteste Zeit des Tages. Und von außen hören sie dann: „Mehr Struktur. Früher aufstehen. Konsequenter sein."
Ich verstehe das, es kling logisch. Aber es löst das Problem nicht. Nicht bei hochbegabten und unterforderten Kindern.
Denn was du dort nämlich jeden Morgen erlebst, ist kein Erziehungsproblem sondern ein Hinweis. Hochbegabte und unterforderte Kinder verarbeiten die Welt anders.
Morgens, beim Aufwachen, ist ihr Gehirn nicht einfach „hochgefahren". Es ist sofort da und sofort aktiv. Sofort dabei, alles zu sortieren, zu bewerten, zu hinterfragen.
Die Socke kratzt wirklich. Die Jacke fühlt sich wirklich falsch an. Das ist keine Trotzreaktion sondern eine sensorische Wahrnehmung. Und die ist bei hochbegabten Kindern viel intensiver, als bei anderen.
Und gleichzeitig: Der Übergang von Nacht zu Tag ist für diese Kinder zusätzlich ein großer Sprung. Sie brauchen länger, um anzukommen. Nicht weil sie langsam sind, sondern weil ihr inneres System gerade so viel verarbeitet.
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