27/05/2026
Deutschland liebt Regeln. Auch KI Regeln.
Formulare. Zuständigkeiten. Abstimmungen. Und natürlich Diskussionen darüber, ob man überhaupt schon so weit ist, etwas zu tun.
Wir sind ein Land, das Dinge nicht einfach macht, sondern erst einmal sauber durchdenkt, dann absichert, dann pilotiert, dann evaluiert, dann noch einmal abstimmt – und irgendwann, wenn der Rest der Welt schon drei Versionen weiter ist, kommt bei uns der erste ernsthafte Rollout.
Das klingt im Inneren immer sehr verantwortungsvoll. In der Realität ist es oft nur eine elegante Form von Stillstand.
Während wir noch darüber diskutieren, ob KI vielleicht ethische Fragen aufwirft (Spoiler: tut sie), bauen andere längst Systeme, Prozesse und komplette Geschäftsmodelle darauf auf. Amerika experimentiert, China skaliert, und Deutschland optimiert die Präsentation der Arbeitsgruppe „KI-Einführung Phase 1“.
Das Problem ist nicht Intelligenz. Es ist Geschwindigkeit. Und vielleicht noch mehr: unsere Bürokratie im Kopf. Dieses tiefe Bedürfnis, alles erst zu verregeln, bevor man es überhaupt ausprobiert. Kein Schritt ohne Konzeptpapier, kein Konzeptpapier ohne Abstimmung, keine Abstimmung ohne zweite Abstimmung.
Ich habe zur Strategie mit KI ein Buch geschrieben, genau aus diesem Grund. Nicht, weil es noch ein weiteres KI-Hype-Buch braucht. Davon gibt es genug. Sondern weil ich versucht habe, das Gegenteil zu tun: weg vom Buzzword, hin zur Umsetzung. Eine klare, strategische Anleitung, wie KI wirklich in Unternehmen integriert werden kann – ohne Drama, ohne Ideologie, ohne endlose Diskussionen darüber, ob man „schon bereit“ ist.
Die Reaktion auf mein Buch ist typisch deutsch gewesen: höfliches Nicken, interessiertes Lächeln, gedankliche Ablage unter „spannend, aber später“. Also habe ich es auf englisch veröffentlicht und siehe da, es wird gekauft.
Hier liegt der Kern des Problems. Wir sind nicht zu spät, weil wir es nicht könnten. Wir sind zu spät, weil wir zu lange überlegen, ob wir überhaupt loslaufen dürfen.
Während wir noch über Governance sprechen, haben andere längst Produkte im Markt. Während wir noch Ethikleitlinien schreiben, trainieren andere Modelle auf echten Daten. Während wir noch Arbeitskreise bilden, entstehen Märkte.
Natürlich ist Vorsicht nicht falsch. Aber wenn Vorsicht zur Hauptstrategie wird, nennt man das nicht mehr Sicherheit – sondern Stillstand mit Protokoll.
Vielleicht ist es Zeit, weniger zu verwalten und mehr zu machen. Weniger zu erklären und mehr zu testen. Weniger Bürokratie im Denken und mehr Mut im Handeln.
Denn Trends warten nicht auf Abstimmungen. Sie ziehen weiter. Immer. Und am Ende bleibt dann nur die deutsche Kernkompetenz: Eine sehr gute Dokumentation darüber, warum wir ihn verpasst haben.
Mein Buch ist genau der Versuch, diesen Kreislauf zu durchbrechen – nicht theoretisch, sondern praktisch. Für alle, die nicht nur über KI reden wollen, sondern sie endlich einsetzen. Ach wer es doch lesen möchte um später an der Spitze mitzumischen:
https://www.amazon.de/KI-k%C3%BCnstliche-Intelligenz-Unternehmen-funktioniert/dp/3695732059