03/07/2026
Vor einigen Jahren stand ich in einer Unternehmensküche. Tischtennisplatte, fest verbaute Zapfanlage, lockerer Ton. Ich war leicht overdressed und fühlte mich trotzdem sofort wohl.
Eine Woche später: Anderes Unternehmen, andere Branche. Im Eingang laufen Börsennews über Monitore. Anzüge. Förmlichkeit.
Und dann gibt's noch das Unternehmen, wo mich auf dem Parkplatz wildfremde Menschen herzlich grüßen: Eine Freundlichkeit, die sich nicht per Anweisung verordnen lässt.
Diese Eingänge sind bereits die Spielregeln in Aktion, sichtbare Hinweise darauf, wie hier gedacht, kommuniziert und geführt wird.
Warum ich das erzähle?
Weil viele junge Führungskräfte glauben, es gäbe DIE richtige Art zu führen. Ein Rezept, das überall funktioniert. Einen Führungsstil, den man nur oft genug trainieren muss.
Falsch gedacht.
Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur. Seine eigenen Spielregeln. Seine eigene Logik. Was in einem System als "authentisch" gilt, wirkt im nächsten wie ein Fremdkörper. Ruth Cohn hat mal gesagt: "Wer den Globe nicht kennt, den frisst er."
Übersetzt: Wer die Spielregeln nicht kennt, kommt mit Würfeln zum Kartenspiel.
Das Problem: Viele dieser Regeln sind unsichtbar. Man erfährt erst von ihnen, wenn man dagegen verstößt.
Was hilft?
Behandle dein Unternehmen wie ein fremdes Land, mit Neugier statt mit Annahmen:
Beobachte mehr, als du redest.
Die ersten Wochen sind Gold wert. Wie kommunizieren die Leute hier? Wer redet mit wem? Welcher Ton herrscht in Meetings?
Frag die alten Hasen.
"Was sollte ich hier auf keinen Fall tun?" Diese Frage bringt oft mehr als jedes Onboarding-Dokument.
Achte auf die kleinen Rituale.
Wer grüßt wen? Wer sitzt wo? Wer wird zu welchen Entscheidungen einbezogen? Die Details verraten die Kultur.
Teste vorsichtig.
Du musst nicht sofort perfekt passen. Aber teste deine Ideen erstmal im Kleinen, bevor du groß auftrumpfst.
Du wirst nie DIE perfekte Führungskraft sein. Aber du kannst die werden, die dein System gerade braucht.
Und das ist viel wert.