24/09/2024
Wer versteht die renitenten Ostdeutschen?
Der Liedermacher Wolf Biermann diagnostizierte unlängst als Erklärung für die hohen Zustimmungswerte ostdeutscher Wähler für AFD und BSW eine Charakterschwäche vieler Ostdeutscher: „»Die, die zu feige waren in der Diktatur, rebellieren jetzt ohne Risiko gegen die Demokratie“, sagte er. Eine, die diesem Urteil vehement widerspricht, ist die FDP-Bundestagsabgeordnete Katja Adler. Adler hat beide Systeme bewusst erlebt, auch wenn die Wende für ihre Generation noch so rechtzeitig kam, „dass sie sich nicht mehr in die lange Trabi-Anmeldeschlange stellen musste“. Die heute 50-Jährige wuchs in Eisenhüttenstadt auf, arbeitete als Verwaltungswirtin in den neuen Bundesländern, bevor sie 2002 in den Westen, nach Rheinland-Pfalz zog. 2010 trat sie in die FDP ein und ist seit der letzten Bundestagswahl einer der 91 Abgeordneten ihrer Fraktion. Mit dem Buch „Rolle rückwärts DDR?“ meldet sie sich jetzt auch als Autorin zu Wort, um eine andere Erklärung für die Renitenz der Ostdeutschen zu liefern. Sie analysiert die zunehmenden autoritären Tendenzen in der (westlich dominierten) Republik und erkennt darin einen Grund für die ablehnende Einstellung vieler Ostdeutscher. „Möglicherweise wissen viele Ostdeutsche Freiheit und Demokratie mehr zu schätzen, als so mancher gemeinhin zu glauben bereit ist“, sagt sie. Katja Adler ist am 7. November bei stratum zu Gast: https://www.stratum-consult.de/events/rollerueckwaerts/.