02/09/2026
Worauf richtest du deinen Blick?
In den vergangenen Monaten hätte ich viele Gründe gehabt, nur meine Hindernisse zu sehen.
Diagnose Krebs
Therapien
Leitlinien
Pläne, die plötzlich keine mehr waren.
Zeiten, wo mein Körper entschieden hat, was möglich ist – und nicht mein Kalender.
Ich hätte mich fragen können:
Warum passiert mir das?
Stattdessen wurde eine Frage immer wichtiger:
Was ist heute möglich?
Und ich glaube inzwischen, genau darin liegt eine ganz besondere Kraft.
Nicht darin, immer positiv zu denken.
Nicht darin, Angst wegzumeditieren.
Und ganz sicher nicht darin, Schmerz zu verleugnen, sondern anzunehmen.
Meinem Verstand immer wieder eine Richtung zu geben.
Wenn etwas nicht funktioniert:
Was klappt besser?
Wenn mein Körper Ruhe verlangt:
Wie kann ich ihn heute unterstützen?
Wenn ein Plan zerbricht:
Was darf stattdessen entstehen?
Wenn Angst auftaucht:
Was gibt mir jetzt Sicherheit?
Vielleicht ist das eine der größten Veränderungen in meiner Denkweise.
Ich trainiere meinen Blick nicht mehr darauf, was gegen mich läuft.
Ich suche mir aus, was ich tragen kann.
Und oft ist die Lösung keine große.
Manchmal ist sie nur ein Moment Stille.
Ein Mensch.
Ein Gespräch.
Ein Nein.
Ein Tag ohne Termine.
Ein anderer Gedanke.
Oder die Entscheidung, heute überhaupt nichts lösen zu müssen.
Denn Haltung bedeutet für mich inzwischen nicht:
Ich habe alles unter Kontrolle.
Sondern:
Egal, was kommt – ich verliere mich darin nicht.
Und vielleicht ist genau das die spannendere Perspektive für uns alle:
Worauf trainierst du deinen Blick – auf das Hindernis oder auf die Möglichkeit?
Meine neue Lampe strahlt jeden Abend für mich.