28/05/2026
"Ich bin froh, dass er tot ist," sagte mir die Ehefrau bei der Begrüßung. "Er war kein liebender Ehemann und Vater, sondern ein Despot, aus dessen Fängen ich mich aus verschiedenen Gründen nicht lösen konnte."
Puh, das ist erstmal eine schonungslose Wahrheit, die ihren Platz haben darf. Es spricht unendlicher Schmerz aus diesen Worten, gleichzeitig Erleichterung und Hoffnung.
"Und warum möchten Sie ihm eine Abschiedsrede schenken?" "Das macht man doch so und ich will damit auch für mich und die Kinder einen Endpunkt setzen."
Als dringt man tief in Familiensysteme ein, die nicht immer harmonisch sind, sondern auch von Gewalt und Suchterfahrung zeugen. Eine solche beschreitet den schmalen Grad zwischen Wertschätzung und Anerkennung der Umstände. Ehrlichkeit, auch wenn es bedeutet, dunkle Punkte anzusprechen.
Die Kunst liegt darin, die Botschaft so zu formulieren, dass sie nicht verletzt, aber eben auch nicht verleugnet. Denn Abschiedsreden, in denen schlichtweg die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit gebeugt wird, gibt es genug.
Entscheidend ist der Wille der Hinterbliebenen. In dem Fall wollte die Familie, dass ich nichts beschönige, gleichzeitig aber auch seine guten Eigenschaften benenne. Denn kein Mensch ist nur böse und es gibt immer Gründe, warum er so geworden ist.
Nicht jeder Tod wird als traurig empfunden und damit muss ich in meiner Profession umgehen können, wertfrei und objektiv.
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