Lectorare

Lectorare Text verbindet. Menschen und Marken. Ideen und Interessen.

Mit den möglichen Mitteln genau die Zielleserschaft zu erreichen und Botschaften überzeugend zu vermitteln, ist Aufgabe gelingender Kommunikation. Als professioneller Dienstleister für Korrektorat und Lektorat optimieren wir Schriftstücke hauptsächlich der Unternehmenskommunikation im Auftrag unserer deutschlandweiten institutionellen und privaten Kunden, meist Agenturen. Die Servicepalette umfass

t die Arbeit an Broschüren, Zeitschriften, Handbüchern sowie Quartals- und Geschäftsberichten in den Sprachen Deutsch und Englisch. Schwerpunkte sind die Themen Wirtschaft und Finanzen, Unternehmenskommunikation, Magazine und Zeitschriften.

16/08/2026
10/08/2026

Der Sommer

Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert
Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel
In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,
Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.

Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,
Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,
Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben
Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.

Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,
Der Mensch verwundert sich, daß sein Bemühn gelinget,
Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,
Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.

(Friedrich Hölderlin)

Vor Kurzem erschien in der FAZ ein Artikel von Manfred Osten: „Goethe-Rezeption in China: Geistige Ressource für die See...
10/08/2026

Vor Kurzem erschien in der FAZ ein Artikel von Manfred Osten: „Goethe-Rezeption in China: Geistige Ressource für die Seele“. Er behandelt die starke und politisch aufgeladene Goethe-Rezeption in China. Der Artikel befindet sich hinter einer Paywall. Ich möchte ihn aber zumindest in Grundzügen wiedergeben.

Im Kern geht es darum, dass China seit 2014 an einem großen kulturpolitischen Projekt arbeitet: der ersten vollständigen chinesischen Goethe-Gesamtausgabe (fast 50 Bände). Daran sind über hundert Übersetzer und Germanisten beteiligt; es gilt als das größte Übersetzungsprojekt deutscher Literatur in der Geschichte der Volksrepublik. Das Projekt wird vom Propagandaministerium betreut und finanziell gefördert – also von höchster offizieller Stelle – und soll die „geistige Souveränität“ Chinas sowie den Stolz auf die eigene Kultur stärken (im Einklang mit dem aktuellen Fünfjahresplan 2026–2030).

Wichtige Punkte aus dem Text:
• Goethe (chinesisch: Yuehan Woerfugang Feng Gede) gilt in China seit der berühmten Faust-Übersetzung von Guo Moruo (1928) als zentraler europäischer Geist. Guo verstand Goethes Idee der „Weltliteratur“ als Modell für Chinas kulturelle Modernisierung – als Verschmelzung eigener Tradition mit der Weltgemeinschaft.
• Xi Jinping hat sich öffentlich als begeisterter Faust-Leser bekannt. Als Jugendlicher in der Verbannung in Liangjiahe legte er eine weite Strecke zurück, um die Guo-Moruo-Übersetzung auszuleihen; er kennt Passagen auswendig und zitiert sie in Reden. 2007 überraschte er Angela Merkel mit dem Faust-Zitat: „Der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.“
• Der Projektleiter Wei Maoping (Shanghai-Universität für internationale Studien) sieht Goethes Philosophie als „geistige Ressource für die Seele“ der modernen chinesischen Gesellschaft. Er zitiert: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ – das passe zur Mentalität der Chinesen, die „etwas tun und vorwärtskommen“ wollen.
• Goethe selbst öffnete sich dem chinesischen Geist (er las chinesische Romane und Lyrik, schrieb den Zyklus „Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten“ und sah die Menschen in China als „fast ebenso wie wir“ denkend und empfindend). Er stilisierte sich metaphorisch als „chinesischer Mandarin“ und betonte das Universelle statt des Exotischen. Das Projekt wird als „Heimholung“ dieses Geistes verstanden.
• Der Autor verknüpft dies mit konfuzianischen Tüchtigkeitsidealen, die auch Deng Xiaoping betonte, und mit Chinas Bildungsrevolution (Schulpflicht, strenge Prüfungen, Fokus auf Mathematik). China sei vom Imitator zum Innovator geworden – belegt u. a. durch die Dominanz bei vielen Zukunftstechnologien. Goethe habe schon früh die „chinesische Zukunftsfähigkeit“ gespürt und den Deutschen Mittelmäßigkeit vorgeworfen.

Der Text stellt Goethe als Brücke dar zwischen chinesischer Tradition, Leistungsdenken und universalistischer Weltliteratur-Idee, die der Gesellschaft als Orientierung dient. Der Artikel hebt die Langzeitwirkung und den hohen Stellenwert Goethes in China hervor.

In China läuft gerade ein kulturpolitisches Mammutprojekt: die erste, fast 50 Bände umfassende vollständige chinesische Goethe-Gesamtausgabe. Was Xi Jinping und Goethe miteinander verbindet.

26/06/2026

Das Gehirn reagiert auf Handschrift auf eine Weise, die Tippen schlicht nicht replizieren kann – und die Neurowissenschaft hat nun eine klare Antwort darauf, warum das so ist.

Eine 2024 in Frontiers in Psychology veröffentlichte High-Density-EEG-Studie der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie hat die Gehirnaktivität von 36 Universitätsstudierenden aufgezeichnet, während sie Wörter entweder per Hand oder auf einer Tastatur getippt haben. Der Befund war eindrücklich: Handschreiben hat deutlich weitreichendere und komplexere Gehirnkonnektivität erzeugt als Tippen – insbesondere in Bereichen, die mit Gedächtnisbildung, sensorischer Verarbeitung und motorischem Lernen zusammenhängen. Hauptforscherin Audrey van der Meer hat die Konnektivitätsmuster beim Schreiben mit der Hand als „weit komplexer" als beim Tippen beschrieben und darauf hingewiesen, dass genau diese Art von weitreichender Vernetzung das ist, worauf das Gehirn beim Kodieren und Behalten neuer Informationen angewiesen ist.

Das deckt sich mit einer bekannten Studie von Mueller und Oppenheimer aus dem Jahr 2014, die gezeigt hat, dass Studierende, die handschriftliche Notizen gemacht haben, bei Tests zum konzeptuellen Verständnis konstant besser abgeschnitten haben als Laptop-Notizennehmende. Der Grund: Handschreiben zwingt dazu, Informationen in Echtzeit zusammenzufassen, zu verarbeiten und umzuformulieren, während Tippen häufig zu wortgetreuem Abschreiben ohne tiefere Auseinandersetzung führt.

Die Wissenschaft ist eindeutig. Mit Stift und Papier zu arbeiten ist keine altmodische Gewohnheit – es ist ein wirkungsvolles Werkzeug für tieferes Lernen, stärkere Gedächtnisleistung und reichhaltigere neuronale Verbindungen.

Ob Student, Berufstätiger oder lebenslanger Lernender: Für die wichtigsten Inhalte wieder auf handschriftliche Notizen umzusteigen, könnte eine der einfachsten und am besten belegten Verbesserungen sein, die man in seinen Alltag integrieren kann.

Bilder wurden mit KI generiert und dienen lediglich zur Veranschaulichung.

Quellen: Van der Weel, F.R., & Van der Meer, A.L.H. (2024). Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity: a high-density EEG study with implications for the classroom. Frontiers in Psychology, 14, 1219945. / Mueller, P.A., & Oppenheimer, D.M. (2014). The pen is mightier than the keyboard. Psychological Science, 25(6), 1159–1168.

26/06/2026

Ich liebe den alten Stechlin. Vor allem Stellen wie diese: »Versteht sich, lieber Gundermann. Was ich da gesagt habe ... Wenn ich das Gegenteil gesagt hätte, wäre es ebenso richtig.«
In dem Satz steckt all das, was ich an Fontane liebe.

Meine Ausgabe des Buches ist schon ganz zerfleddert. Der Einband hat sich gelöst, einige Seiten sind lose, und an manchen Stellen scheint das Buch fast auseinanderzufallen.
Eigentlich müsste ich mir längst ein neues Exemplar kaufen. Und doch kann ich mich nicht von ihm trennen.
Denn zwischen den Seiten steckt längst nicht mehr nur Fontane.

Da ist ein Grasfleck von einer Wanderung vor vielen Jahren. Dort ein Kaffeefleck von einem Nachmittag, an dem ich eigentlich nur ein paar Seiten lesen wollte. Und dazwischen liegen Erinnerungen an Orte, Menschen und Zeiten, die mit dem Buch verbunden sind.
Vielleicht liegt genau darin der Zauber alter Bücher.
Man liest irgendwann nicht mehr nur die Geschichte des Autors. Man liest auch ein wenig die eigene.

Und deshalb werde ich wohl noch in zwanzig Jahren diese vergilbten Seiten lesen, die losen Blätter ignorieren und mich am alten Stechlin freuen.

15/06/2026

Dass die Grammatik der deutschen Sprache die Frauen diskriminiere, ist ein Mythos, den die Linguistin Luise Pusch in die Welt gesetzt hat. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Gendern erweist sich als unwissenschaftlich sowie als ideologie- und ressentimentgetrieben.

Artikel in den Kommentaren ⬇️

04/06/2026

Für mich haben Bücher drei Leben.

Das erste ist ihr Inhalt. Die Geschichte, die in ihnen steht und die Träume, die auf ihren Seiten gebannt wurden.

Das zweite beginnt, wenn wir sie lesen. Wenn uns ein Satz plötzlich mitten ins Herz trifft. Wenn ein Buch uns verändert, begleitet oder still durch dunkle Tage trägt.

Aber dazwischen gibt es noch ein drittes Leben. Das stille Leben eines einzelnen Exemplars.
Die Menschen, denen es einmal gehört hat.
Die Namen auf dem Vorsatzblatt.
Ein vergessenes Zugticket zwischen den Seiten.
Ein Kaffeefleck.
Eine hastige Unterstreichung auf Seite 47.
Vielleicht eine kleine Notiz in verblasster Tinte.

Und manchmal denke ich, dass genau das Bücher so besonders macht:
Dass sie nicht nur Geschichten erzählen.
Sondern selbst welche in sich tragen.

04/06/2026

Welchen ersten Satz eines Romans findet ihr ikonisch?

Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ entstand 1912 und wurde 1915 erstmals veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht Gregor Samsa, der eines Morgens aufwacht und feststellt, dass er sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt hat. Die Ursache dieser Verwandlung bleibt ungeklärt. Stattdessen konzentriert sich Kafka in der Erzählung auf die Auswirkungen auf Gregor und seine Familie. In seinen Werken thematisiert Kafka häufig innerfamiliäre Konflikte.

„Die Verwandlung“ zählt zu den bedeutendsten Werken der modernen Literatur. Die Erzählung behandelt Themen wie Entfremdung, Isolation und Identitätsverlust und gilt bis heute als ein Schlüsselwerk der literarischen Moderne.

Kafka verstarb am 3. Juni 1924 im Alter von 40 Jahren.

15/05/2026

Welches ist euer Lieblingswerk von Max Frisch?

Werke wie „Andorra“ oder „Homo Faber“ machten den schweizer Schrifsteller Max Frisch international bekannt. Er gehört zu den wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts und verfasste eine Vielzahl an Werken, darunter Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Prosatexte und Gedichte sowie literarische Tagebücher.

Seine Werke sind oftmals stark existenzialistisch und autobiografisch geprägt, es geht um Themen wie Identitätssuche, Freiheit und Selbstbestimmung. So reiste Max Frisch, ähnlich wie seine Romanfiguren viel durch die Welt und zog oft um, allein in Zürich etwa 14 Mal. Auch seine meist deutlich jüngeren Partnerinnen wechselte er häufig, viele Erlebnisse aus den Beziehungen verwendete er ohne die Frauen nach Erlaubnis zu fragen für seine Werke. Frischs wohl bekannteste Beziehung war die zur Schriftstellerin Ingeborg Bachmann.

Heute vor 115 Jahren, am 15. Mai 1911, wurde Max Frisch in Zürich geboren.

13/05/2026

Warum lesen wir heute noch die Klassiker? Natürlich, ich lese auch gerne moderne Romane. Manche davon sind wunderbar geschrieben und ein Genuss. Aber bei den großen Klassikern spürt man oft etwas anderes.

Diese Bücher wurden nicht deshalb zu Klassikern, weil irgendwann jemand beschlossen hat, sie in Schulen zu lesen oder immer wieder aufzulegen.
Sondern weil sie über Generationen hinweg Menschen berührt haben. Weil sie etwas so klar und menschlich ausdrücken, dass ihre Worte auch nach hundert oder zweihundert Jahren noch lebendig wirken.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Kunst großer Literatur:
Dass sie Dinge ausspricht, die Menschen seit Jahrhunderten fühlen, aber nur selten so klar in Worte fassen können.

Ich merke das gerade wieder bei »Anna Karenina«. Manche Sätze wirken, als wären sie erst gestern geschrieben worden. Und gleichzeitig tragen sie etwas in sich, das weit über unsere eigene Zeit hinausreicht.

Adresse

Marktplatz 8
Grünwald
82031

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