02/02/2025
Weniges hat mich in den letzten Jahren so geprägt wie die Begegnung mit den Fotos von Vivian Maier und mit dem Film Becoming Nobody über den spirituellen Lehrer Ram Dass.
Vivian Maier war Street Photographer und bildete mit ihrem Werk, das bis zu einer sechsstelligen Zahl von Bildern reicht das Leben auf den Straßen der USA ihrer Zeit ab.
Ram Dass war Universitätsprofessor, dessen Weg ihn dazu führte, spiritueller Lehrer für tausende Menschen zu werden.
Mich bewegen unzählige Sätze aus seinem Film. Aber im Grunde genommen ist die Kernaussage schon im Titel gegeben: Becoming Nobody, Niemand werden.
Das ist nicht gerade ein Satz, mit dem man heute anziehend wirken könnte. Aber spirituelle Wahrheiten sind nicht dazu, da attraktiv auf Menschen zu wirken, sondern in das Wesentliche hinein zu führen.
Eine wichtige Erkenntnis von ihm, die er in diesem Film teilt, ist, dass wir alle miteinander verbunden sind und dass die zahllosen Trennungen eigentlich eine Fiktion sind, eine Täuschung, etwas, von dem wir glauben, dass es wahr sei, was uns Menschen, aber immer wieder in schier unlösbare Situationen hinein führt. Er erkennt, dass wir eigentlich gar nicht getrennt sind. I am you, sagt er in einer Szene. Ich bin du. Das bedeutet aber auch, dass ich bereit bin / werde zu erkennen, dass die vielen Vorstellungen, die ich von mir selbst habe und denen ich glaube, dass sie wahr seien, am Ende auch zu einem großen Teil eher im Bereich der Fiktion anzusiedeln sind. Den spirituellen Weg gehen, bedeutet dann, bereit zu sein, niemand zu werden. Das läuft vielen spirituellen Tendenzen unserer Zeit entgegen. Das wird wohl niemand wirklich hören wollen. Aber spirituelle Wahrheit richtet sich nicht nach Tendenzen, die gerade in Mode sind, sondern wird sich für diejenigen, die sich nach ihr ausstrecken, letztlich immer wieder von selber als solche heraus schälen.