02/12/2023
𝐁𝐢𝐥𝐥𝐚𝐛𝐥𝐞 𝐇𝐨𝐮𝐫𝐬 𝐢𝐧 𝐊𝐚𝐧𝐳𝐥𝐞𝐢𝐞𝐧 - 𝐰𝐢𝐞 𝐯𝐢𝐞𝐥 𝐚𝐛𝐠𝐞𝐫𝐞𝐜𝐡𝐧𝐞𝐭𝐞 𝐀𝐧𝐰𝐚𝐥𝐭-𝐙𝐞𝐢𝐭 𝐢𝐬𝐭 𝐧𝐨𝐭𝐰𝐞𝐧𝐢𝐠 𝐮𝐧𝐝 𝐠𝐞𝐬𝐮𝐧𝐝?
RVG-Abrechnung ist Lotto, Festpreise sind schwer kalkulierbar. Bei der Anwalts-Vergütung dominiert das Hashtag und als Maßeinheit die "Billable Hour". Wie viele es davon sein müssen, hängt vom Hashtag ab.
𝐁𝐢𝐬 𝟐.𝟓𝟎𝟎 𝐒𝐭𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐞𝐫𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐋𝐢𝐠𝐚
Bei den Top-Adressen, insbesondere bei den hiesigen Ablegern der US-Kanzleien, geht es regemäßig erst bei 2.000 Billable Hours im Jahr los und für den Bonus darf man gerne noch ein paarhundert Stunden draufpacken. Selbst wer wie ein Roboter auf großen Mandaten arbeitet und 80 Prozent seiner Zeit abrechnet, muss dafür sehr viele Tage, die meisten Abende und wohl auch einige Nächte im (Home)Office buckeln. Und nur wenn diese "abrechenbaren" (billable) Stunen dann auch tatsächlich abgerechnet werden, schafft man den UBT von 1 Mio und mehr (für die JUVE-Statistik).
𝟏.𝟔𝟎𝟎 𝐁𝐢𝐥𝐥𝐚𝐛𝐥𝐞 𝐇𝐨𝐮𝐫𝐬 – 𝐝𝐚𝐬 𝐫𝐞𝐚𝐥𝐢𝐬𝐭𝐢𝐬𝐜𝐡𝐞 𝐌𝐢𝐭𝐭𝐞𝐥𝐦𝐚ß?
Öffentlich macht dieses High-End-Segment für Workoholics seine Vorgaben jenseits von 2.000 Stunden aber inzwischen nicht mehr – vermutlich mit Rücksicht auf das Hashtag . Wer sich noch traut, gibt die Anforderungen an azur-online. Da dort neben JUVE Top100-Kanzleien auch kleine Einheiten vertreten sind, bewegen sich die Vorgaben durchschnitlich eher bei moderaten 1.600 Billables. Und auch die Redaktion von azur spricht von einer "typischen Hashtag " von rund 1.600 Stunden, die "die 40-Stunden-Woche schon voll machen" (und unterstellt, dass 90% der Arbeitszeit abgerechnet wird?).
Auch Christoph (Chris) Vaagt empfielt bei der Arbeitsgemeinschaft Kanzleimanagement des DAV eine Kapazitätsbegrenzung auf realistische 1.610 Stunden. Er unterstellt 230 Arbeitstage zu ca. 10 Stunden, von denen jeweils 7 billable sind. Mehr hält er „arbeitsphysiologisch und organisatorisch auf Dauer nicht erbringbar.“ Diese 1610 Stunden/Jahr werden als "wirtschaftlich ausreichend, arbeitsrechtlich vertretbar und berufspolitisch wünschenswert" angesehen.
𝟖𝟎𝟎 𝐛𝐢𝐬 𝟏.𝟎𝟎𝟎 𝐒𝐭𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 𝐫𝐞𝐢𝐜𝐡𝐞𝐧 – 𝐟ü𝐫 𝐚𝐥𝐥𝐞
Der “realistische” Ansatz von Chris Vaagt ist richtig - auch er beruht aber auf hohen Arbeitszeiten (10-Stundentag) und einer hohen Abrechnungsquote (70 Prozent).
Da bei ROSE & PARTNER eher 40 Stunden gearbeitet und gerade mal 50 Prozent der Arbeitszeit abgerechnet wird, kalkulieren wir mit nur 800 bis 1.000 Billable Hours/Jahr. Selbst damit können alle Beteiligten gut leben:
1️⃣ Unsere Anwält:innen verdienen damit dank hoher Stundensätze und Umsatzbeteiligung immer noch 150.000 Euro oder mehr.
2️⃣ Die Mandanten freuen sich über ausgeruhte Anwälte, die nicht knallhart abrechnen.
3️⃣ Für die Kanzlei bleibt genug hängen, solange viele Kolleg:innen mitmachen, Skaleneffekte genutzt werden und Equity-Partner bescheiden bleiben 😉