28/05/2026
„Der Klügere gibt nach.“
Wenn ich mir manche Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik anschaue, denke ich manchmal:
Vielleicht war das pädagogisch nett gemeint. Strategisch war’s eher so mittel.
Denn wenn die Klügeren dauerhaft nachgeben, entscheiden irgendwann die Lauteren, Rücksichtsloseren oder einfach die mit der größeren Aufmerksamkeitsspanne auf Social Media über den Kurs.
Und plötzlich sitzen Menschen in Meetings, die seit drei Jahren denken:
„Eigentlich müsste mal jemand was sagen …“
… während genau dieser „jemand“ höflich schweigt, um die Stimmung nicht zu belasten.
Das Problem ist ja nicht Harmonie.
Das Problem ist Konfliktvermeidung mit moralischem Heiligenschein.
Vielleicht brauchen wir gesellschaftlich und beruflich keine lauteren Menschen.
Vielleicht brauchen wir mehr kluge Menschen, die lernen:
• klar zu widersprechen
• freundlich Grenzen zu setzen
• Haltung zu zeigen
• Verantwortung nicht mit Nettigkeit zu verwechseln
Denn seien wir ehrlich:
Wenn die Vernünftigen dauerhaft den Rückwärtsgang einlegen, übernimmt irgendwann der Typ mit der roten Kappe und dem Allmachtsfantasie-Starterpaket.
Und nein.
Durchsetzen bedeutet nicht rücksichtslos werden.
Aber manchmal bedeutet Führung eben auch, nicht mehr auszuweichen, obwohl man Konflikte eigentlich hasst.
Vielleicht wäre der bessere Satz heute:
„Der Klügere gibt nicht sofort nach.
Er übernimmt Verantwortung.“