11/11/2016
Generalistik stoppen. Altenpflegeberuf erhalten!
Sehr geehrte/r Abgeordneten bzw. des Abgeordneten,
wenn Sie im Deutschen Bundestag das Gesetzgebungsverfahren zum Pflegeberufereformgesetz mit der geplanten Zusammenführung der heutigen drei Pflegeausbildungen (Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege) zu einer generalistischen Ausbildung nicht stoppen, droht unserer Branche großer Schaden. Ausbildungsplätze werden verschwinden – die Sicherstellung der Pflege in Deutschland ist dann in Gefahr.
Konkret ist ein Rückgang bei der Zahl der Ausbildungsplätze zu befürchten, weil die zusammengelegte Ausbildung kompliziert und unattraktiv wird. Außerdem lässt sich bisher überhaupt nicht abschätzen, ob alle wichtigen fachlichen Inhalte zum Beispiel der Altenpflege vermittelt werden, da die Ausbildungsinhalte nicht vorliegen. Und die Auszubildenden werden innerhalb der drei Jahre nur unzureichend auf den späteren Arbeitsalltag vorbereitet. Man kann eben nicht drei Berufe gleichzeitig erlernen. Denn Behauptungen, die Ausbildungsinhalte aus den drei jetzigen Pflegeausbildungen würden sich zu 70 bis 90 Prozent überschneiden, sind schlicht falsch. Zudem bleiben die situationstypischen Gegebenheiten in den Lern- und Arbeitsfeldern unberücksichtigt.
Auffällig ist doch, dass die generalistische Pflegeausbildung von nahezu allen Seiten – aus den betroffenen Bereichen – scharf kritisiert wird. Das Bündnis für Altenpflege, ein Zusammenschluss von Berufs- und Schulverbänden sowie Leistungserbringerverbänden, das inzwischen fast 70 Prozent aller Altenpflegeeinrichtungen vertritt, hält eine generalistische Ausbildung für nicht umsetzbar und mit Blick auf die pflegerischen Herausforderungen der Zukunft auch fachlich für den falschen Weg. Diese Einschätzung wird auch von der BDA, dem DGB, Verdi, dem Berufsverband der Kinderärzte sowie vielen anderen Berufs- und Trägerverbänden der Kinderkrankenpflege geteilt. Auch die Wohlfahrt hat Sorgen: 80 Prozent der dortigen Heimleiter lehnen laut dem aktuellen Altenpflegebarometer die Generalistik ab.
Fakt ist, es gibt keine Mehrheit für die Generalistik, insbesondere nicht in der Altenpflege. Und deshalb begrüße ich es sehr, dass zahlreiche Bundestagsabgeordnete bereits signalisiert haben, dem Pflegeberufereformgesetz nicht zustimmen zu wollen, wenn die Belange der Altenpflege nicht hinreichend gesichert und die Ausbildungsinhalte nicht bekannt sind.
Die Folgen der massiven strukturellen Veränderungen durch die Einführung des neuen Pflegeberufes sind für die Praxis derzeit nicht kalkulierbar und nicht erprobt. Deutschland kann sich aber vor dem Hintergrund der anstehenden Herausforderungen in der Pflege keine Fehlentscheidungen leisten.
Wir als Betreiber und Träger wissen bis heute nicht, wie genau die Ausbildung künftig ablaufen soll und welche Inhalte geplant sind. Diese wichtigen Entscheidungen wollen die zuständigen Ministerien nach einer Bundestagsentscheidung ohne das Parlament treffen.
Ich bitte Sie daher: Nehmen Sie meine Kritik ernst und lehnen Sie das Gesetz ab.
Mit freundlichen Grüßen
PflegeHamburg
Gegen eine generalistische Pflegeausbildung spricht noch mehr. Sie ist inhaltlich unausgereift, verstärkt den Fachkräftemangel und setzt die Qualität der pflegerischen Versorgung aufs Spiel. Hier geht es zu allen wichtigen Argumenten: aktion-buendnis-fuer-altenpflege.de/info
Mehr Argumente für die Altenpflegeausbildung finden Sie hier: Wir brauchen auch in Zukunft eine eigenständige Altenpflegeausbildung!