25/03/2018
Im Bild unten habe ich meinen geknüpften Lebensfaden in das Bild einer Spirale eingearbeitet. Es soll meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass ich die Schöpferin meines Lebens bin. Es geht letztendlich darum, wie ich mit meinen Lebensbrüchen umgehe, ob ich sie gelingend in meine Biographie integrieren kann. Heute sage ich, dass ich ohne meine harten Zeiten nicht diejenige wäre, die ich heute bin – und mit der bin ich ziemlich zufrieden. Doch als ich mittendrin in diesen Zeiten war, habe ich diese Aussage als ganz harten Tobak empfunden.
Denn, bin ich nicht ausgeliefert, wenn mich Schicksalsschläge treffen, aus heiterem Himmel, lebens- und/ oder existenzbedrohend? Wie sieht es aus bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung, vielleicht sogar einem Todesfall? Was ist, wenn ich dem HartzIV – System ausgeliefert bin? Ein Mädchen erzählte mir einmal: „Meine Eltern finden einfach keine Arbeit mehr. Sie sind nur noch am Weinen.“
Worte wie „Nun reiß dich mal zusammen“, „Du musst nur dein Potenzial entfalten“ oder gar der platteste aller platten Sprüche „Jeder ist seines Glückes Schmied“, klingen dann wie blanker Hohn.
Ich stehe am Abgrund oder bin schon am Fallen. Überleben, ob seelisch oder existenziell, wahrscheinlich dann eher beides, kosten mich schon meine ganze Kraft. Wenn dann Sprüche von Politikern kommen, wie Arbeitslose seien Parasiten, HartzIV-Empfänger würden in spätrömischer Dekadenz leben oder wie von unserem neuen Gesundheitsminister Spahn, dass HartzIV nicht Armut bedeute, dann können und dürfen Lebensbrüche nicht nur von der psychologischen Seite her betrachtet werden. Auch die soziologischen (und hier auch besonders der Zusammenhang mit unserer neoliberalen Wirtschaftsordnung) haben einen nicht unerheblichen Platz einzunehmen. Diese Aussagen machen die Betroffenen wirklich zu Opfern, sie diffamieren, stigmatisieren und traumatisieren.
Ich glaube, Beratung und Coaching in Anspruch nehmen zu können, ist ein ziemlicher Luxus. Gerade in oben genannten Lebenssituationen fehlen dafür einfach die finanziellen Ressourcen. Aber genau dann wäre die Inanspruchnahme dieses Angebotes am dringendsten.
Deshalb habe ich einen Traum. Er ist ziemlich vage und ich weiß noch nicht genau, wie und wann ich ihn umsetzen kann. Und er bedeutet auch Mut. Wie wäre es, wenn man an Beratung und Coaching, aber auch Therapie (denn ist gibt einfach nicht genug Therapieplätze) mit einem solidarischen Ansatz herangehen würde? Jeder bezahlt für die in Anspruch genommene Leistung das, was er/ sie kann. Und manche eben nur einen symbolischen Beitrag. Wäre es möglich damit selbst zu überleben? Gibt es Menschen, die das schon umgesetzt haben? Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen….