23/03/2023
Saisonstart 2023
Das 19. Mal , seit ich an Bord eines Kutters arbeite, ist die Winterpause vorbei und es geht wieder raus zum Fischen. Das 7. Mal, seit ich einen eigenen Kutter habe.
Immer habe ich mich darauf gefreut, dass es wieder los geht. Immer fing es spätestens im Februar in den Fingern an zu „jucken“ , diesen Jagdtrieb kann man nicht einfach so ausschalten. Freunde haben mich oft für verrückt erklärt, dass ich mich darauf gefreut habe, dass die ruhige Zeit Zuhause bald ein Ende hat und wir wieder Tag für Tag früh aufstehen können, um Fischen zu fahren.
Dieses Jahr ist das anders!
Der ganze Winter war geprägt von den Schlagzeilen rund um das LNG-Terminal direkt vor unserem Heimathafen Hooksiel und die dort stattfindende Chloreinleitung. Hunderte Male wurde mir diesen Winter die Frage gestellt „ Und, werdet ihr das merken mit dem Chlor?“
Jedes mal habe ich geantwortet, dass ich das nicht weiß und wir das abwarten müssen.
Und dann kam der Tag, an dem für jeden Krabbenfischer die Uhr still stand.
Die EU empfiehlt seinen Mitgliedstaaten 2024 zum Teil und ab 2030 sämtliche bodenberührende Fischerei in seinen Schutzgebieten zu verbieten. Eine Schlagzeile, die dank eines grünen Landwirtschaftsministers in Berlin blanke Angst unter uns Fischern ausgelöst hat.
Und richtig wütend macht mich jeder falsche Zeitungsartikel. Immer wieder liest man, das Krabben mit zum Teil Hundert Meter großen, trichterförmigen Netzen, die den Meeresboden umpflügen, gefangen werden.
Unsere Netze sind 9 Meter breit und da pflügt nichts .
In Zeiten, wo Brennstoff den grössten Teil unserer Betriebsausgaben darstellt, bin ich darauf bedacht, so wenig wie möglich den Meeresboden überhaupt zu berühren. Lediglich die beiden Schlitten laufen im Idealfall permanent am Boden, die dazwischen befindliche Rollerkette gleitet und rollt darüber .
Dieses löst eine kleine Sedimentaufwirbelung aus, was die Krabben in unser Netz flüchten lässt.
Uns wird vorgeworfen, wir würden Riffe und Seegraswiesen zerstören. Stimmt auch nicht. Keiner fischt über Riffe oder Steine und riskiert freiwillig seine Netze zu zerstören oder zu verlieren. Und Seegras, auch das meiden wir Fischer, verstopft unsere Netze. Und verstopfte Netze fangen nichts.
Beifang haben wir auch keinen mehr. Seit wir MSC zertifiziert sind, fischen wir ganzjährig mit Selektivnetzen, die alles was größer ist als eine Krabbe bereits unter Wasser wieder ausschleusen.
Die Nationalparke wurden mit der Krabbenfischerei gegründet, weit bevor diese mit dem MSC-Siegel als nachhaltig ausgezeichnet wurde. Auch den Titel des Weltnaturerbe hat das Wattenmeer mit seinen Fischern bekommen.
Dass eines meiner Kinder den Beruf des Fischers erlernt, halte ich für unwahrscheinlich .
Aber ich hoffe trotzdem, die beiden in ihrer Kindheit so oft es geht mit auf dem Kutter zu haben. Ich möchte ihnen nicht später einmal auf Fotos zeigen müssen, was Papa damals so gemacht hat.
Morgen nach dem Fischen werden wir uns auf den Weg nach Büsum machen. So wie jeder andere deutsche Fischer auch.
In Büsum ist die Agrarministerkonferenz , dort gilt es, gemeinsam mit den Landwirten, durch unsere Anwesenheit den Politikern zu zeigen, dass sie uns nicht einfach unsere Arbeit verbieten können.
Mit nachdenklichen Grüßen
Nils