21/09/2024
Unser Firmensitz ist in Königs Wusterhausen, in Brandenburg. Wir alle haben Nachbarn, die ganz offen AfD wählen. Ich muss da nicht lang suchen, wer es ist. Ich sehe das in den WhatsApp-Stati, höre es beim Schnack beim Supermarkt oder auf der Terrasse.
Und zwar nicht erst seit ein paar Monaten. Es scheint egal, wen die AfD aufstellt, wie offen sie sich als N***s zeigen. Es ist egal, mit welchen Skandalen sie auffallen und welche menschenverachtende Statements sie raushauen.
Die AfD wird trotzdem und genau deshalb gewählt.
2019 waren wir über das Wahlergebnis geschockt und erleichtert. Die SPD hatte gerade so gewonnen. Die AfD wurde zweite. Wir in Brandenburg haben zahlreich taktisch gewählt. Auch wenn es viel mehr frischen Wind gebraucht hätte im Landtag, so haben wir SPD gewählt, um AfD zu verhindern. Die SPD sah sich bestätigt. Dabei verkennen viele der Landespolitiker*innen, dass es nicht nur um das „Was“, sondern um das „Wie“ in der Politik geht, was so dringend ein Update braucht.
Auch 2024 gibt es taktische Wahlempfehlungen. Lieber die SPD wählen aus Angst vor der AfD. Das Ergebnis wird wohl ähnlich knapp in die eine wie die andere Richtung.
Wenn ich von Menschen außerhalb von Brandenburg nach dem Warum gefragt habe, sehe ich bei den Mehrzahl aller Wählenden eine gemeinsame Motivation für ihre Wahlentscheidung: “Wir hängen alle an einem StatusQuo in der Hoffnung, dass es dann nicht schlimmer wird.“
„Es wird immer schlimmer“ ist die Antwort auf alle Ereignisse durch alle Altersklassen und politischen Richtungen hinweg. Darauf hat Politik (in Brandenburg) keine Antwort gefunden, die emotional abholt. Einem, der emotionale Betroffenheit spürt, helfen keine sachlichen Debatten. Ein gesellschaftlicher Teufelskreis: Indem diejenigen, die Oberhand gewinnen, die die Bestätigung in dem - es wird immer schlimmer - suchen, wird es für diejenigen, die Zuversicht und Aktionismus leben, auch immer schlimmer. Zukunft gestalten, braucht Zuversicht. Angst schafft nichts Neues. Die Probleme in Brandenburg lassen sich aber nicht mit Angst lösen.
Bitte geht am Sonntag wählen! Wählt Kandidat*innen, denen ihr Kompromiss-Kreativität zutraut!!!