13/08/2026
🌞❄️Kühle Oase statt Hitzefallen: So werden hitzefest
Wie groß der Einfluss kommunaler Planung sein kann, haben wir anhand von zwei Modell-Neubaugebieten untersucht. Verglichen wurden ein konventionell geplantes Gebiet und ein Modellgebiet, in dem gezielte Maßnahmen für und berücksichtigt wurden.
Die Modellberechnungen zeigen: Mit entsprechenden Vorgaben im Bebauungsplan lässt sich das Mikroklima eines neuen Quartiers deutlich beeinflussen. Besonders groß ist der Effekt dort, wo Bäume, Grünflächen, begrünte Dächer und ein bewusster Umgang mit Regenwasser von Anfang an mitgedacht werden.
Bäume spielen dabei eine zentrale Rolle. Durch Verdunstung kühlen sie ihre Umgebung und spenden Schatten. Im klimawirksam geplanten Modellgebiet ergibt sich daraus rechnerisch eine Kühlleistung, die der von 170 bis 340 haushaltsüblichen Klimageräten entspricht – und das ohne zusätzlichen Energieeinsatz. Entscheidend sind dabei der Erhalt vorhandener Bäume und die Neupflanzung von Bäumen. Große Bestandsbäume sorgen unmittelbar für Schatten und Verdunstungskühle. Ein neu gepflanzter Baum hingegen benötigt etwa 15 bis 20 Jahre, bis er eine vergleichbare Kühlwirkung wie ein großer Baum entfaltet. Auch Dächer und Freiflächen beeinflussen das Quartiersklima. Begrünte Dächer können an heißen Tagen bis zu 17 Grad kühler bleiben als herkömmliche Flachdächer. Gleichzeitig lassen sie sich mit Photovoltaik kombinieren, wobei die kühlere Umgebung die Effizienz der Solarmodule um bis zu vier Prozent steigern kann. Auch bei der Gestaltung von Freiflächen gibt es deutliche Unterschiede: Schottergärten, ein Dauerbrenner in Neubaugebieten, können an heißen Tagen Oberflächentemperaturen von mehr als 50 Grad erreichen und damit rund 10 bis 20 Grad heißer werden als bepflanzte Flächen. Pflegeleichte, hitzeverträgliche Bepflanzungen wie Stauden, Klee oder Wildblumen kommen mit deutlich weniger Wasser aus als kurz gehaltener Rasen.
Beim Wasserhaushalt können Kommunen bereits bei der Bauleitplanung ansetzen. Beispielsweise lassen sich Regenwasserzisternen für die Gartenbewässerung in Bebauungsplänen vorsehen. Das spart im Sommer Trinkwasser und macht private Grünflächen widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden.
Wie ein Quartier geplant wird, beeinflusst zudem, wie gut Menschen mit Hitze umgehen können. Kompaktere Wohnformen, wie beispielsweise Mehrfamilienhäuser in Hofstruktur, können größere zusammenhängende Grün- und Aufenthaltsflächen ermöglichen und zugleich gemeinschaftliche Angebote und gegenseitige Unterstützung erleichtern. In unserem Modellgebiet ist beispielsweise ein Quartiershaus mit Kita, Café und Seniorenwohnungen vorgesehen. Gerade ältere Menschen gehören zu den Bevölkerungsgruppen, die durch extreme Hitze besonders belastet werden. Kurze Wege und gut erreichbare, kühle Aufenthaltsmöglichkeiten können deshalb ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten.