13/10/2026
Mehr Maschinen lösen keine schlechten Prozesse !
Wir brauchen eine neue Maschine.
Diesen Satz habe ich in meinem Berufsleben oft gehört. Und manchmal war die Investition genau die richtige Entscheidung.
Manchmal aber auch nicht.
Bevor über mehrere Hunderttausend Euro oder sogar Millionen entschieden wird, interessiert mich zuerst eine andere Frage:
Was hindert die vorhandene Kapazität heute daran produktiver zu sein?
▪️ Fehlt tatsächlich Maschinenkapazität?
▪️ Wartet die Maschine regelmäßig auf Material?
▪️ Sind Werkzeuge und Programme rechtzeitig vorbereitet?
▪️ Wie viel Zeit geht beim Rüsten verloren?
▪️ Wie häufig wird die Planung geändert?
Und läuft der vermeintliche Engpass überhaupt so viele produktive Stunden, wie die Kapazitätsrechnung unterstellt?
Gerade bei guter Auftragslage entsteht schnell der Eindruck, dass zusätzliche Kapazität benötigt wird. Wenn eine Maschine permanent belegt ist und Liefertermine trotzdem nicht gehalten werden, erscheint die nächste Investition zunächst logisch.
Ich habe allerdings mehrfach erlebt, dass eine genauere Betrachtung ein anderes Bild ergeben hat.
Die rechnerisch fehlende Kapazität war teilweise längst vorhanden. Sie wurde im Tagesgeschäft nur nicht genutzt.
Dann schafft eine zusätzliche Maschine zunächst mehr theoretische Kapazität. Gleichzeitig bleiben Rüstverluste, Wartezeiten, fehlendes Material und wechselnde Prioritäten bestehen.
Und plötzlich hat das Unternehmen neben dem alten Problem noch ein neues:
zusätzlich gebundenes Kapital und höhere Fixkosten.
Deshalb gehört für mich vor jede größere Maschineninvestition eine saubere Kapazitäts- und Prozessanalyse.
Nicht mit dem Ziel, die Investition zu verhindern.
Mit dem Ziel, sicherzustellen, dass sie wirklich gebraucht wird.
Eine neue Maschine kann ein hervorragender Wachstumsschritt sein. Sie ist nur ein sehr teurer Weg, ein Organisationsproblem zu überdecken.
Wie erleben Sie das in der Praxis:
Wird vor einer Maschineninvestition ausreichend geprüft, ob tatsächlich Kapazität fehlt oder fällt die Entscheidung häufig zu früh?
Im nächsten Beitrag geht es um Irrtum Nr. 3:
Überstunden sind kein Zeichen guter Leistung.