07/07/2026
Vollmast
nennen wir dieses Phänomen, wenn Waldbäume mächtig viele Früchte tragen.
Dieses Jahr hängen die Rotbuchen 🌳 über und über voll mit Bucheckern. Noch ist es Zeit bis die Früchte reif sind. Da kann noch einiges passieren, z.B. dass die Früchte vorzeitig abgeworfen werden, wenn der Hitze- und Trockenstress im Sommer zu groß und zu lange ist.
Dass sich Jahre mit großem Fruchtanhang mit Jahren ohne oder wenigen Früchten abwechseln, ist eine kluge Strategie der Natur. Bucheckern sind, wie viele andere Waldfrüchte auch, bei zahlreichen Tierarten als Nahrung sehr beliebt. Gäbe es jedes Jahr viele Früchte, so würden sich die sich Tierarten, die diese Früchte fressen, in ihrer Populationshöhe darauf einstellen. Da es aber zwischendurch auch Jahre mit keinem oder wenig Angebot gibt, kann sich die Art nicht auf regelmäßiges Buffet einstellen. Und so bleibt die Population der Bucheckenfresser auf einem Niveau, dass viele Früchte im Mastjahr nicht gefressen werden und so junge neue Buchen in großer Zahl keimen können.
Was sind nun aber die Faktoren, die den Fruchtansatz bei der Rotbuche auslösen? Da spielen viele Dinge zusammen.
Wenn auf ein Jahr mit Trockenstress ein Jahr mit guter Wasserversorgung folgt, dann scheint dies oft eine Vollmast im dritten Jahr auszulösen. Aber auch viele andere Faktoren, wie etwa Spätfröste, wirken da mit. Es ist komplex.
Besorgniserregend ist die Häufung der Vollmastjahre. Denn eigentlich tritt eine Vollmast nur alle 3-10 Jahre ein. Vermutlich ausgelöst durch den Stress, dem unsere Waldbäume durch den Klimawandel unterliegen, kommt es zu viel mehr Vollmastjahren als bislang gewohnt. Wenn Bäume existenzbedrohenden Stress haben, dann löst das Fruchtbildung aus. Man sorgt noch einmal für Nachwuchs, bevor das Leben endet. Insofern sehen wir die Häufung der Vollmastjahre mit Sorge.
Das Wort Mast hat in diesem Zusammenhang übrigens seinen Ursprung im Mästen des Viehs. In Jahren mit reichlich Fruchtanhang hat man das Vieh in den Wald getrieben, damit es sich ordentlich satt frisst. Ein Sprichwort sagt: Auf den Eichen wachsen die besten Schinken. Aber die Schinken auf den Buchen waren sicherlich auch nicht schlechter...
📸Foto: Landesforsten RLP.de / Jonathan Fieber