Stellen Sie sich bitte folgendes vor: Sie sind geschäftlich auf einer Messe und auf dem Stand eines japanischen Unternehmens verabredet. Sie haben sich auf den geplanten Messebesuch sorgfältig vorbereitet: sich den Namen Ihres Geschäftspartners eingeprägt, sich inhaltlich gut auf das Gespräch vorbereitet. Und Sie haben einen Dolmetscher engagiert, der Ihnen zur Seite stehen wird. So fühlen Sie sic
h bestens gerüstet. Am Tag des Messebesuchs passiert folgendes: Sie gehen mit Ihrem Dolmetscher zum Stand und treffen Ihren Gesprächspartner. Der Dolmetscher stellt Sie beide einander vor. Plötzlich dreht sich der Japaner wortlos um und geht weg. Was ist passiert? Meine deutschen Zuhörer werden jetzt denken – „Dieses Verhalten ist unverständlich. Was um Himmels willen hat der Dolmetscher da angerichtet?“
Meine japanischen Zuhörer werden denken – „Oh, der Arme. Er hat keine Visitenkarten zur Hand. Sicherlich holt er jetzt schnell welche.“
Und genau das ist der Fall. In Japan werden Visitenkarten gleich zu Beginn des Gesprächs überreicht. Was ich Ihnen gerade erzählt habe, ist keine Fantasiegeschichte. Genau diese Situation habe ich erlebt, als ich für einen deutschen Kunden auf einer Messe dolmetschen durfte. Dessen Gesichtsausdruck, als der Japaner einfach das Gespräch verlassen hat, habe ich heute noch vor Augen. Diese kleine Episode zeigt, wie wichtig gegenseitiges kulturelles Verständnis ist. Es hilft, Missverständnisse zu vermeiden, dem Gesprächspartner auf Augenhöhe zu begegnen und langfristige, von Wertschätzung geprägte Kontakte aufzubauen. Dies ist meine Kernkompetenz. Ich bin in Japan geboren und aufgewachsen, habe dort studiert und gearbeitet. Nunmehr seit vielen Jahren lebe und arbeite ich in Deutschland. Und es ist mir ein großes Anliegen, meine Kultur und die deutsche Kultur einander nahezubringen.