29/09/2026
Auf der Bühne sieht man am Ende nur einen kleinen Teil meiner Arbeit.
Man sieht mich Fragen stellen, nachhaken, Diskussionen führen. Was man nicht sieht: die vielen Stunden am Schreibtisch davor.
Bei Dual.Use.Rhein.Ruhr in Duisburg war meine Aufgabe diesmal deutlich größer als die Moderation am Veranstaltungstag. Ich habe die Konferenz journalistisch und inhaltlich konzipiert und ausgearbeitet – inklusive der Panels, Interviews und der Dramaturgie des Tages.
Und dafür musste ich erst einmal selbst ziemlich viel lernen.
Wie funktioniert eigentlich die Beschaffung bei der Bundeswehr? Warum ist es für Mittelständler so schwierig, in diesen Markt zu kommen? Welche Rolle spielen Vergaberecht und Finanzierung? Was bedeutet Resilienz konkret? Und wann wird aus einer Technologie, die für einen ganz anderen Zweck entwickelt wurde, plötzlich Dual Use?
Irgendwann saß ich über einem Panel zum Thema Finanzierung und dachte: Das eigentliche Problem ist doch absurd.
Ein Unternehmen hat eine Technologie, die gebraucht wird. Um mehr davon produzieren zu können, braucht es Geld. Der Investor möchte aber erst einen Auftrag sehen. Und für den Auftrag müsste das Unternehmen bereits zeigen können, dass es liefern kann.
Henne. Ei. Zeitenwende.
Genau solche Punkte wollte ich auf der Bühne finden.
Und davon gab es einige.
Eine Drohne aus Essen, die Minen aufspüren kann. Satellitentechnik aus Duisburg, die Kommunikation sichern kann. Dazu Robotik, KI und Logistik aus Dortmund sowie Cybersecurity und autonome Systeme aus Bochum.
Da wird ein Begriff wie „Dual Use“ plötzlich ziemlich konkret.
Und genau deshalb mag ich solche Moderationen. Ich bekomme ein Thema, von dem ich am Anfang längst nicht alles weiß. Ich lese mich ein, telefoniere, frage nach, sortiere und versuche herauszufinden: Was ist daran eigentlich wirklich interessant?
Erst daraus entsteht mein Moderationsleitfaden.
Und wenn ich dann auf der Bühne sitze, möchte ich meine Karten im besten Fall irgendwann gar nicht mehr brauchen. Weil ich genug über das Thema weiß, um zuzuhören und dort nachzufragen, wo es gerade interessant wird.
Das ist für mich der Unterschied zwischen durch ein Programm führen und eine Konferenz journalistisch moderieren.
Und genau für solche Jobs mache ich diesen Beruf ziemlich gerne.
📸 Bernd Thissen