30/01/2022
ICH BIN SCHOCKIERT!
"Spenden oder anders so schnell wie möglich wieder loswerden. Viel Geld führt immer zu Problemen. Da hab‘ ich keinen Bock drauf."
Andere Antworten sind: "Nichts. Geld bedeutet mir nichts.”, "Reichtum schafft Armut” oder "Arbeiten als Option".
Antworten, die das Magazin Neue Narrative veröffentlicht hat. Hört sich ja toll an: sozial und im Sinne des Gemeinwohls…
Ist es das? Ist es nicht sozialer, Erfüllung in der Arbeit und eigenen Schaffenskraft zu empfinden? Eigene Ideen verwirklichen, die Sehnsucht, selbst zu gestalten, auszuleben und damit das Gefühl der Selbstwirksamkeit?
Für mich ist das Spenden von Geld und Tatkraft ein selbstverständlicher Beitrag zur Gesellschaft, denn sie kann nur überleben, wenn wir aufeinander achten und denen helfen, die es brauchen. Das bedeutet für mich eine Balance zwischen Selbstverwirklichung und Gemeinwohl. Mein Schaffen soll anderen zu Gute kommen.
Mit unseren Kund*innen bringen wir die Freude zurück in die Arbeit. Gehalt ist dabei ein wichtiger Hygienefaktor. Daher versuche ich gerade das Bild, das das Magazin Neue Narrative mit der Auswahl der Antworten kreiert, in Balance zu meinem täglichen Erleben zu bringen.
Widersprüchlich empfinde ich dabei, dass in jährlichen Gehaltsverhandlungen teils unrealistische und diplomatisch ausgedrückt sehr nachdrückliche Forderungen an Führungskräfte gestellt werden. Die Erwartung von automatisch mehr Geld, auch wenn sich an Job und Leistung wenig geändert haben. Obwohl Geld nicht wichtig sei?
Wie passt das zusammen? Wie polarisiert sind wir als Gesellschaft aufgestellt?
Was haben wir falsch gemacht, dass Menschen keine Sehnsucht mehr haben, selbst etwas schaffen zu wollen und eigene Ideen zu finanzieren?
Wir müssen dringend umdenken, um gerade jungen Menschen wieder Freude am klugen Wirtschaften und Verständnis für geldpolitische Zusammenhänge zu ermöglichen und dadurch nachhaltig Gutes in der Welt zu erreichen.
Was können wir tun, dass Geld nicht nur mit Problemen in Verbindung gebracht wird, sondern mit Chancen?
Mich lassen die Antworten dieses Gedankenexperiments ratlos und fassungslos zurück. Von Gründen und eigene Vorstellungen verwirklichen, habe ich in der Auswahl der Antworten nichts gelesen.
Als Unternehmerin weiß ich, dass es auch Zeiten gibt, in denen es keinen Gewinn gibt und Existenzangst ein täglicher und vor allem nächtlicher Begleiter sein kann. Kein schönes Gefühl!
Zu wissen, dass meine Arbeit und mein Wirken honoriert werden und dass ich dadurch noch mehr Möglichkeiten habe, auch Pro Bono-Aufträge anzunehmen (wenn ich will), bei denen ich wiederum lerne und die mir unsagbar Freude machen, empfinde ich als Glück. Ein sehr schönes Gefühl!
Ich will nicht glauben, dass Umverteilung und Spenden wichtiger zu sein scheinen, als eigene Ideen zu verwirklichen oder zu forschen.
Ist das so?
Geht es nur mir so? Was denkt Ihr?