19/06/2017
Der pflanzliche Wirkstoff Curcumin wird aus der Pflanze Curcuma longa Linn gewonnen, welche zu den Ingwergewächsen (Zingiberaceae) zählt. Die Pflanze kommt ursprünglich aus den tropischen und subtropischen Regionen und ist in Mittel- und Fernasien, v.a. in Indien und China, weit verbreitet. Sie wächst bis zu einem Meter in die Höhe und entwickelt im August weiße bis grünliche sowie manchmal auch rötlich-purpurfarbene Blüten, die sich an 12-24 cm langen Blütenstämmen entfalten. Der Wirkstoff Curcumin wird aus Kurkuma extrahiert, welches aus dem Wurzelstock (Rhizom), bzw. aus den an den Enden gebildeten Knollen, gewonnen wird. Curcumin, welches auch gelber Ingwer oder Gelbwurz genannt wird, benutzt man seit tausenden von Jahren zum Färben und zum Würzen Besonders interessant macht diesen Stoff jedoch seine Wirkung als pflanzliches Heilmittel. Curcumin wird seit 5000 Jahren in der traditionellen chinesischen und indischen Medizin zur Linderung und Behandlung von entzündlichen Erkrankungen eingesetzt.
Heute erlebt diese interessante Substanz eine Wiedergeburt in der Naturheilkunde und der Komplementärmedizin, vor allem da neueste präklinische Untersuchungen an Zellmodellen klar offenlegen, dass Curcumin anti-oxidative , anti-entzündliche, schmerzlindernde, und sogar eine anti-tumorigene Wirkung besitzt, um nur die Wichtigsten zu nennen. In diesem Zusammenhang wurde wissenschaftlich belegt, dass Curcumin das Wachstum und die Invasivität der Tumorzellen bei verschiedenen Tumoren in unterschiedlichen Stadien, sowie die Metastasenbildung hemmt. Eine anti-tumorigene Wirkung hat man z.B. bei Karzinomen des Colons, der Brust, der Prostata, des Pankreas, der Lunge sowie dem multiplen Myelom nachgewiesen. Deswegen wird in den medizinisch-naturheilkundlichen Disziplinen die therapeutische Gabe von Curcumin, meist in Kombination mit der Leitlinientherapie, empfohlen. Eine präventive Gabe von Curcumin wäre auch denkbar in Familien, in denen gehäuft Tumorerkrankungen vorkommen, um die Entstehung eines Tumors bei gesunden Familienmitgliedern möglichst lange hinauszuzögern, bzw. zu verhindern.
Von einer Einnahme ist jedoch eher abzuraten bei Östrogenrezeptor-positiven Karzinomen, da Curcumin in vitro östrogenartige Wirkung besitzt. Da es jedoch auch Hinweise gibt, dass Curcumin selbst bei Östrogenrezeptor-positiven Tumoren hilfreich sein kann, sind dringend klinische Human-Studien erforderlich, um diesbezüglich Klarheit zu schaffen.
Besondere Bedeutung kommt Curcumin auch zum Schutz vor Erkrankung (Prävention) zu. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass Curcumin präventiv wirkt zur Vorbeugung von Nieren- und Leber-Schäden, Erkrankungen des Herzens und des Nervensystems. Auch das Immunsystem kann man durch Curcumin modulieren und stärken. Sogar bei neurodegenerativen Erkrankungen wie dem Morbus Alzheimer ist sowohl eine präventive als auch eine therapeutische Wirkung von Curcumin bereits veröffentlicht.
Man könnte an dieser Stelle fast den Eindruck bekommen, Curcumin wäre ein Wundermittel. Dies ist natürlich nicht der Fall. Der Grund, dass Curcumin bei so vielen Erkrankungen eine therapeutische Wirkung besitzt ist folgender: Bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Entzündungen und Tumoren werden in der Zelle oft dieselben bzw. eng verwandte „Schaltkreise“ aktiviert. Die Wissenschaftler nennen diese „Schalkreise“ Signaltransduktionswege, was bedeutet, dass ein Signal in der Zelle weitergeleitet wird, welches im Zellkern ankommt und dort Prozesse in Gang setzt, die im Falle einer Erkrankung nicht in Gang gesetzt werden sollen, um es einmal ganz einfach und allgemeinverständlich auszudrücken. Curcumin wirkt hauptsächlich auf einen dieser Schlüssel-Signaltransduktionswege und somit an der zentralen Schaltstelle von Entzündungen und Tumoren. Da Curcumin als Naturstoff nicht gezielt auf einen „Schaltkreis“ ausgerichtet ist, wie es zum Beispiel viele synthetische Substanzen aus der Pharma-Industrie sind, wirkt Curcumin auch auf weitere Schaltkreise, was im Fall von Resistenzen gegen bestimmte Therapien aus der Pharma-Industrie, einen therapeutischen Vorteil von Curcumin ausmacht.
Da Curcumin zwar ein pflanzlicher Stoff ist, jedoch mit pharmakologischer Wirkung, muss man selbstverständlich auch die Nebenwirkungen betrachten. Bislang weiß man aus klinischen Studien mit austherapierten Patienten – also Patienten für die es gemäß schulmedizinischer Verordnung (Leitlinientherapie) keine Therapie-Empfehlung mehr gibt – dass bis zu 8 g Curcumin täglich weitgehend nebenwirkungsarm sind. Als Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit, Magendruck und Erbrechen bekannt, was jedoch bei niedrigeren Dosierungen kaum vorkommt. Da man jedoch eine genaue Dosierung nicht kennt, da die notwendigen Dosierungsfindungsstudien bislang nicht finanziert wurden, weiß man nicht, welche Dosis bei welcher Erkrankung in welchem Stadium die Richtige ist. Die Dosierung muss also momentan von einem Spezialisten gemäß dem klinischen Befund geschätzt werden, was gerade für Ärzte, die es gewohnt sind nach Leitlinien zu therapieren, sehr schwierig bis unmöglich ist. Dies ist ein weiterer Hinderungsgrund für den Erfolg von Curcumin als Therapeutikum. Schulmediziner sind verpflichtet nach den Leitlinien zu therapieren, denn im Fall eines Behandlungs-Unfalls oder einer Klage würde die Berufshaftpflichtversicherung der Ärzte nicht greifen
So verhindert also das Fehlen von wichtigen Daten aus klinischen Studien eine genaue Kenntnis der klinischen Wirkung, der Nebenwirkungen und der Dosierung, trotz eingehender präklinischer Kenntnis der vielfältigen Wirkungmechanismen momentan die klinische Anwendung von Curcumin.
Leider werden aber Naturstoffe, da sie nicht patentierbar sind und daher auch keinen ökonomischen Profit einbringen, nicht adäquat klinisch beforscht. Klinische Studien sind ausgesprochen teuer – viel teurer als präklinische Studien aus denen wir momentan unser Wissen über die Wirkung von Curcumin herleiten. Um eine Substanz – egal ob Naturstoff oder synthetisch hergestellt- für den therapeutischen Einsatz verfügbar zu machen ist es notwendig zunächst die Nebenwirkungen und die Dosierung zu kennen. Beides ist nur durch klinische Studien zu erforschen.
Der Staat bringt derzeit die Mittel nicht auf, um die Wirksamkeit und die Sicherheit von Curcumin für den klinischen Einsatz zu testen. Klinische Studien werden normalerweise von der Pharma-Industrie für das jeweilige Produkt, das auf dem Markt eingeführt werden soll, durchgeführt. Die Industrie ist an Naturstoffen verständlicherweise nicht interessiert, da die hohen aufgebrachten Mittel für die Klinischen Studien und die Forschungsarbeit durch den Verkauf von Curcumin später nicht wieder eingebracht werden können. Curcumin ist einfach zu billig. Es ist durchaus verständlich dass die Industrie, die unter dem Aspekt von Wirtschaftlichkeit agieren muss, Naturstoffe ablehnt, unverständlich ist es jedoch, dass Krankenkassen und Regierung nicht zusammenarbeiten, um diese Aufgabe zu übernehmen.
Anmerkung an die Leser:
Oft wird Curcumin mit Kurkuma verwechselt. Bei Kurkuma handelt es sich um den Rohextrakt, der aus der Knolle der Pflanze Kurkuma gewonnen wird. Curcumin ist der bioaktive Wirkstoff, der dann aus Kurkuma chemisch extrahiert wird und präventiv gegen das Entstehen und das Fortschreiten von Erkrankungen aktiv ist. Bei der Auswahl von Präparaten zur präventiven oder therapeutischen Einnahme ist daher genau darauf zu achten, wie hoch die Konzentration von Curcumin ist.