12/08/2026
Ein Kunde schreibt Ihnen: „Liebe Frau Hansen". Sie antworten: „Sehr geehrter Herr Jäger". Das ist grammatisch korrekt. Und es ist ein Kommunikationsfehler. Denn die Anrede sendet eine zweite Botschaft. „Sehr geehrter" als Antwort auf „Liebe" bedeutet: So eng sind wir nicht. Bitte etwas mehr Abstand.
Deshalb gilt eine einfache Regel: Spiegeln Sie die Anrede Ihres Gegenübers. Auf „Liebe" folgt „Lieber", auf „Hallo" ein „Hallo", auf „Guten Tag" ein „Guten Tag".
Eine Ausnahme gibt es: Regionale und sehr familiäre Grüße wie „Moin", „Servus" oder „Hallöle" spiegeln Sie nur dann, wenn sie zum Selbstbild Ihres Unternehmens passen.
Drei weitere Punkte gehen in der Praxis häufig daneben:
Schreiben Sie Einzelpersonen nie mit einem bloßen „Hallo" an. Der Name ist das kleinste Zeichen von Wertschätzung und zugleich das wirksamste. In lockeren Gruppen passt „Hallo zusammen". Das Wort „zusammen" bleibt dabei klein.
„Sehr geehrte Damen und Herren" wirkt steif und altbacken. Wenn Sie keinen Namen kennen, schreiben Sie einfach „Guten Tag,". Das ist freundlich und zeitgemäß.
Das Komma nach „Guten Tag" ist korrekt: „Guten Tag, Frau Mannert,". Die DIN 5008 zeigt dieses Komma in Beispielen in eckigen Klammern, also als fakultativ. Aus den Beispielen der DIN 5008 entstehen keine neuen Regeln. Für Kommas gilt das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung. Nur einteilige Grüße aus einem Wort stehen ohne Komma: „Hallo Frau Mannert,".
Nach über 30 Jahren Korrespondenztraining weiß ich: Die Anrede ist das erste Wort, das Ihre Leser von Ihnen lesen. Sie legt den Ton für alles Weitere fest.
Spiegeln Sie die Anrede Ihres Gegenübers oder gilt bei Ihnen eine feste Hausregel?
https://www.uwefreund.com/fraguwe-de/briefe-emails/anrede-in-e-mails-und-briefen-zeitgemaess-und-korrekt/