19/06/2026
Familienbalance – oder: Jetzt sehe ich, wie schwer das wirklich ist
Früher habe ich gedacht, ich hätte das ganz gut im Griff.
Beruf. Verantwortung. Termine.
Und Familie.
Irgendwie lief es.
Nicht perfekt – aber es lief.
Heute sitze ich da, schaue auf meine Kinder, wie sie ihren Alltag meistern –
und denke mir:
Respekt.
Nicht dieses schnelle „Ja ja, passt schon“-Respekt.
Sondern echtes Staunen.
Ich sehe, wie sie morgens jonglieren:
Kind fertig machen, selbst funktionieren, Termine im Kopf, das Handy schon am Ohr.
Ich sehe, wie sie versuchen, allem gerecht zu werden –
und sich dabei manchmal selbst vergessen.
Und ich erkenne mich wieder.
In vielem.
Aber ich sehe auch etwas, was ich früher so nicht gesehen habe:
Wie viel das eigentlich ist.
Dieses Wort „Familienbalance“ –
ich glaube, das haben wir uns irgendwann schön geredet.
Als wäre das etwas, das man einmal einstellt –
und dann läuft es.
Heute weiß ich:
Das ist Quatsch.
Da ist nichts im Gleichgewicht.
Da ist Bewegung.
Permanent.
Und vielleicht kommt diese Erkenntnis erst später.
Wenn man nicht mehr mitten drin ist.
Wenn man einen Schritt zurücktritt.
Wenn man nicht mehr diejenige ist, die alles gleichzeitig halten muss –
sondern die, die zuschaut.
Und manchmal hilft.
Und manchmal einfach nur da ist.
Was ich heute anders sehe:
Früher wollte ich funktionieren.
Heute sehe ich, wie wichtig es ist, auch mal nicht zu funktionieren.
Früher dachte ich, man muss da durch.
Heute weiß ich:
Man darf auch stehen bleiben.
Früher war ich oft gleichzeitig überall.
Heute sehe ich:
Wirklich da sein ist etwas völlig anderes.
Und ich sehe auch:
Die nächste Generation macht manches anders.
Sie sagt schneller Nein.
Sie hinterfragt mehr.
Sie will nicht alles einfach nur tragen.
Und ganz ehrlich?
Ich finde das toll!
Familienbalance ist kein Zustand, den man erreicht.
Sie ist etwas, das man immer wieder neu versucht.
Und vielleicht ist das Wichtigste gar nicht, alles perfekt zu machen –
sondern einander zu sehen.
Als Mutter.
Als Vater.
Als Kind.
Und irgendwann auch als Oma.
Und zu sagen:
Ich weiß, wie schwer das ist.
Und du machst das gut.