03/08/2026
Vor ein paar Wochen gab ich ein Basisseminar zum Systemischen Konsensieren. Wir waren gerade bei einem zentralen SK-Werkzeug, der geeigneten Fragestellung, als mir plötzlich ein Bild durch den Kopf schoss: Eigentlich ist eine gute Fragestellung wie eine Angel.
Da gerade Sommer ist und viele von uns Richtung Urlaub aufbrechen, teile ich den Gedanken einfach mal.
Wenn ich angeln gehe (ha! Als würde ich das tun), überlege ich mir erst, welchen Fisch ich angeln möchte, und wähle dann Rute, Schnur und Köder.
Bei Entscheidungsprozessen ist es ähnlich. Wenn ich die Fragestellung entwickle, überlege ich mir: Welche Art von Antworten wünsche ich mir eigentlich? Danach richte ich meine Frage aus.
Ein banales Beispiel: Wenn eine Hochschule nach Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität ihrer Lehre sucht, die vom Lehrpersonal akzeptiert und umgesetzt werden sollen, könnte die Fragestellung lauten:
„Welche Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität unserer Lehre wollen wir im kommenden Studienjahr gemeinsam umsetzen?“
Sie lenkt den Fokus der Beteiligten auf die Tatsache, dass hier ein konkreter Maßnahmenkatalog entstehen soll, der sie selbst betrifft.
Je offener die Frage, desto breiter wird meist auch das Spektrum der Antworten. Das ist weder gut noch schlecht. Es sollte nur zu dem passen, was ich am Ende entscheiden möchte.
Und wenn ich beim Angeln nur Müll aus dem Wasser ziehe? Dann schimpfe ich ja auch nicht auf die Fische. Wahrscheinlich habe ich den falschen Köder gewählt. Oder den falschen Haken.
Gemünzt auf Entscheidungsprozesse bedeutet das: Wenn Vorschläge nicht passen, unklar sind oder am Thema vorbeigehen, lohnt sich oft zuerst ein Blick auf die Fragestellung – statt auf die Beteiligten zu schimpfen.
Ich spinne weiter und komme zur Frage nach dem richtigen Gewässer. Mit der besten Angel und dem besten Köder werde ich keinen Hecht im Goldfischteich fangen. Neben einer guten Fragestellung braucht man also auch die richtigen Leute. Fehlen die relevanten Perspektiven, können die passenden Antworten gar nicht erst entstehen.
Manchmal lohnt es sich auch, mehrere Angeln gleichzeitig auszuwerfen. „Welches Restaurant mieten wir für das Firmenjubiläum?“, „Wie sieht das Rahmenprogramm aus?“ und „Wen laden wir zur Feier ein?“ sind drei Fragen, die gut parallel bearbeitet werden können. Anschließend lassen sich die besten Ideen zu einem stimmigen Gesamtvorschlag zusammenführen.
Falls dich solche Denkwerkzeuge interessieren: Vom 2.–4. September findet mein nächstes Basisseminar zum Systemischen Konsensieren in Berlin statt. Vielleicht sehen wir uns dort.
👉 https://konsenslotsen.de/akademie/grundlegendes/basis-seminar/