08/03/2022
"Auch Männer haben ein Recht auf Weglaufen" titelte die vergangene Woche. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch wählen kann, ob sie/er kämpfen möchte oder wofür sie/er sich einbringen möchte.
Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK nach Marshall B. Rosenberg) wird häufig nur als ein geniales Kommunikationsmodell zur Lösung von Konflikten in unterschiedlichsten Kontexten gesehen. Was sie auch zweifelsfrei ist - nur ist sie noch viel mehr: Eine Führungs- besser eine Lebenshaltung, der ein zutiefst humanitäres Menschenbild zugrunde liegt.
So sind wir in der GFK davon überzeugt, dass Menschen, mit allem was sie tun oder lassen, versuchen, sich ein Bedürfnis zu erfüllen. Angriffe, Kritik, Gewalt etc. sind ebenso Versuche, wenn leider auch sehr tragische! - sich Bedürfnisse zu erfüllen.
Wir sind mit solchen "Macht-über-Handlungen", die die Belange einer Seite auf Kosten von anderen durchsetzen wollen, definitiv nicht einverstanden, wollen jedoch beiderseitiges Verhalten zunächst verstehen und nach den dahinterliegenden Beweggründen forschen, anstatt Verhalten sofort zu verurteilen. Die Beweggründe - die Bedürfnisse - sie sind die Quelle, die Wurzel von Konflikten genauso für Verhalten. Auch wenn dieser Anspruch nicht immer leicht umzusetzen ist, möchten wir uns zuerst (am besten nachdem Menschen außer Gefahr sind) darum bemühen.
Erst im Anschluss an das Verstehen der Bedürfnisse, suchen wir nach gemeinsamen Lösungen/ Vorgehensweisen.
Zum Menschenbild der GFK gehört auch, dass wir davon überzeugt sind, dass Menschen ihr Bestes geben, so lange sie etwas freiwillig tun - weil sie versuchen, sich Bedürfnisse zu erfüllen (zum Beispiel einen Beitrag für Frieden oder zum Schutz Schwächerer zu leisten.)
Gesunde Konfliktlösungen berücksichtigen die Belange beider Seiten und wollen nachhaltige Vereinbarungen treffen.
Marshall B. Rosenberg, der Begründer der GFK, hat während seiner Wirkenszeit mehrfach in Krisengebieten vermittelt. Er konnte dabei viel bewegen, auch wenn es zu Beginn der Gespräche aussichtslos schien und es manchmal mehr Zeit brauchte, als uns evtl. lieb gewesen wäre. Doch je komplexer das Thema, desto mehr braucht Gehör. [weiter im Kommentar]