07/07/2022
"Selbstbeobachtung – dieses Wort war eines, dass sich wie ein roter Faden durch unser Event letzten Freitag zog. Immer wieder fiel uns im Thementalk und nachher in den Open Space Sessions auf, wie wichtig es ist, sich in den eigenen Routinen zu "erwischen". Das gilt sowohl für Organisationen als auch für Individuen.
Ich war beeindruckt, wie meine drei Gäste dafür sorgen, dass die Selbstbeobachtung in den Betriebsalltag integriert, ja geradezu institutionalisiert ist. Und auch wie sehr sie sich selbst ständig reflektieren.
Gleichzeitig sind sie sich der Gefahr bewusst, dass aus Selbstbeobachtung eine ausufernde Selbstbeschäftigung werden kann. Auch das reflektieren sie ständig mit.
Selbstbeobachtung hat deshalb heute eine so große Bedeutung, weil Organisationen am laufenden Band von Widersprüchlichkeiten herausgefordert werden. Es braucht Innovation UND Beständigkeit. Es braucht Qualität UND schnelle erste Lösungen. Es braucht Geschwindigkeit UND Geduld usw.
Wo sich unterschiedliche Zwänge begegnen, entsteht Unsicherheit. Und wo Unsicherheit entsteht, macht sich die Verführung breit, einheitliche Regelungen treffen zu wollen, um diese Unsicherheit wieder zu absorbieren. "Jetzt lass uns das doch ein für alle Mal klären!"
In der "Sozialtechnologie" Management ist diese Tendenz geradezu angelegt. Management will reduzieren, vereinfachen, trivialisieren, objektivieren.
Führungskräfte müssen sich also ständig darin üben, Grundsatzentscheidungen zu widerstehen. Damit will ich nicht sagen, dass es nie eine Grundsatzentscheidung braucht. Aber es kommt eben häufig auf den Einzelfall und gerade nicht auf den Regelfall an.
Um dieser Ambivalenz gerecht zu werden, ist Selbstbeobachtung unverzichtbar. Denn Kommunikationsräume, in denen diese Ambivalenzen verhandelt werden können, schützen vor dem Regelungsreflex.
(...)
So auch in Organisationen: Erst wenn die Selbstbeobachtung dafür sorgt, dass bestimmte Muster Teil der öffentlichen Diskussion werden, ist es möglich sie "zu benutzen" und in Entscheidungssituationen auf sie zu verweisen. "Wir haben doch besprochen, dass wir nicht grundsätzlich entscheiden wollen, weil...". Ohne solche Referenzen, ist die Organisation auf ihre bisherigen Muster zurückgeworfen und in der Regel zur Verfolgung etlicher Selbstzwecke verdammt.
Das Problem ist: So logisch das alles klingen mag, der Hang zur Eindeutigkeit und damit zum Selbstzweck lässt nie nach."
Den kompletten Artikel von Mark Poppenborg kannst Du in unserem Magazin lesen: https://intrinsify.de/von-der-kunst-der-selbstbeobachtung/
Mehr Inhalte rund um das Thema Führung und Organisation kannst Du jederzeit in unserem Magazin auf intrinsify.de und in unserem wöchentlichen lesen. Anmelden kannst Du Dich unter intrinsify.de/news.