16/07/2026
Ich gebe es zu. Als der Auftrag reinkam, dachte ich kurz das wird doch nichts....
Ein selbstfahrendes Fahrzeug für Liegeboxen in Kuhställen.
Reinigen, Abfegen, Einstreuen in einem System.
Klingt nach Landtechnik. Klingt nach Serienprodukt.
Klingt nicht nach F&E.
Dann habe ich mir das Projekt genauer angeschaut.
Habe eine Marktrecherche gemacht.
Das Kernproblem war ein Dosiersystem das drei komplett
unterschiedliche Materialien zuverlässig fördern muss.
Strohmehl, Sägespäne, separierte Gülle.
Jedes verhält sich anders. Pulvrig, faserig, feucht, klebrig.
Niemand wusste ob ein einziges System alle drei beherrschen kann
ohne zu verstopfen, zu brücken oder die Dosiermenge unkontrolliert
zu verändern. Dazu kommt eine hydraulische Höhenverstellung
deren Auswirkung auf Förderleistung und Streubild völlig offen war.
Kein Referenzsystem weltweit.
Kein Stand der Technik dem man folgen konnte.
Nur Versuchsreihen, Prototypen, Stallbedingungen und offene Fragen.
Das sind die drei Kriterien die die Forschungszulage verlangt:
technologische Neuheit, technologische Unsicherheit, offenes Ergebnis.
Der Maschinenbaubetrieb aus Norddeutschland, 50 Mitarbeiter,
hatte über drei Jahre rund 500.000 Euro FuE-Personalkosten investiert.
Als KMU bekommt er 35 % davon als Steuerbonus zurück.
175.000 Euro für eine Maschine die auf den ersten Blick niemand
für förderfähig gehalten hätte.
Auch ich nicht. Bis ich hingeschaut habe.
Wer in eurem Unternehmen entwickelt gerade etwas
dessen Ausgang noch offen ist?
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