26/07/2016
Das freie Spiel nach Emmi Pikler
"Die Unfähigkeit zum selbstständigen Spiel verstärkt im Kind unvermeidlich das Gefühl seiner Abhängigkeit vom Erwachsenen. Dagegen verhilft ihm seine eigene Aktivität zu dem Ergebnis, unabhängig handeln zu können. Es entscheidet, womit es spielen möchte, und spürt, dass es von ihm selbst abhängt, ob es weiter experimentiert oder auf einen erneuten Versuch verzichtet und etwas anderes beginnt.
Indem das Kind frei ausprobiert, was man alles mit einem Gegenstand anfangen kann, entdeckt es dessen Eigenschaften. Es erfährt, dass die Welt erkennbar ist; auch geht ihm auf, dass es zu diesem Akt des Erkennens fähig ist. Sein eigenes Tun hilft ihm, auf allen Stufen seiner Entwicklung in einer Weise handeln zu lernen, die ihm das Gefühl vermittelt, erfolgreich zu sein. Damit eröffnen sich ihm fast unerschöpfliche Möglichkeiten, im Tätigsein so etwas wie eigene Kompetenz zu erleben. -das Kind, das sich solche Erfahrungen zu eigen macht, wird selbstsicherer und kann den gelegentlich (...) auftretenden schwierigen Situationen anders begegnen.
Es liegt also weitgehend in der Hand des Erwachsenen, ob es gelingt, das ursprüngliche Interesse des Kindes für die Welt, die es umgibt, zu erhalten und fortlaufend die notwendigen Voraussetzungen zur Entfaltung des freien, selbstständigen Spiels zu schaffen."
aus "Von den Anfängen des freien Spiels" von Eva Kallo und Györgyi Balog, Pikler Gesellschaft Berlin