04/02/2026
Die besten Erkenntnisse über Frameworks hatte ich neulich nicht im Projekt.
Sondern in der Küche.
Ich stand vor einem Kochbuch und dachte mir:
Rezepte sind im Grunde auch nur Frameworks.
Jemand hat ausprobiert, verworfen, angepasst.
Am Ende steht etwas, das unter bestimmten Bedingungen ziemlich zuverlässig funktioniert.
Und ja, oft gibt es dafür auch ein offizielles Kochbuch. Mit Siegel. Und nicht ganz billig.
Natürlich darf man Rezepte anpassen.
Weglassen. Ersetzen. Hinzufügen.
Gerade „Hinzufügen“ fühlt sich oft besonders gut an.
Noch ein Gewürz. Noch ein Tool. Noch eine Methode.
Am besten zertifiziert. Dann wirkt es gleich professioneller.
Der Haken ist nur:
Das funktioniert nur, wenn man versteht, was eine Zutat eigentlich tut.
Apfelessig ist sauer.
Orangensaft auch.
Trotzdem ist Apfelessig kein besonders guter Ersatz für Orangensaft.
Nicht nur geschmacklich.
Sondern wegen der Nebenwirkungen. Ich sage nur. Das WC lässt grüßen.
Und genau das beobachte ich in Organisationen mit Frameworks.
Man ersetzt Dinge.
Man lässt Dinge weg.
Man fügt Dinge hinzu.
Oft aus guten Gründen. Zeitdruck. Kontext. Kultur. Oder weil es gut verkauft wurde.
Das Problem ist selten die Anpassung.
Das Problem ist, dass niemand mehr sauber benennt, was es jetzt eigentlich ist.
Man sagt Framework X.
Man bekommt etwas Eigenes.
Mit Extras. Mit Abkürzungen. Mit Zertifikat.
Und wundert sich später:
– warum Erwartungen nicht erfüllt werden
– warum neue Mitarbeitende irritiert sind
– warum Verantwortung diffus wird
Nicht, weil die Arbeit schlecht ist.
Sondern weil der Name etwas anderes verspricht als das, was serviert wird.
Ich bin kein Framework-Evangelist.
Im Gegenteil. Anpassung ist notwendig.
Aber Anpassung ohne Verständnis erzeugt Nebenwirkungen.
Und Anpassung ohne klare Benennung erzeugt Chaos.
Oder anders gesagt:
Sag mir, wenn ich Apfelessig trinke.
Und sag mir bitte auch, wenn es kein Originalrezept ist.
Dann kann ich entscheiden, ob ich Hunger darauf habe.
Und ob ich danach in WC-Nähe bleiben möchte.
Wie geht ihr damit um?
Wo habt ihr Frameworks bewusst angepasst.
Und wie klar benennt ihr heute, was es wirklich ist?