30/01/2020
Hab das mal geklaut, so sieht nämlich die Rechnung aus.
Ich finde es ziemlich erschreckend wie wenig Ahnung Menschen von Preis- und Lohngestaltung haben, obwohl doch eigentlich jeder permanent Geld ausgibt und wohl auch einen Lohn für seine Arbeit bekommt!
Mal so ein kleiner konstruierter Fall um nach über 100 Beiträgen endlich ein paar konkrete Zahlen auf den Tisch zu bringen:
"Hufe ausschneiden" ist rel einfach zu rechnen, da "kein" Materialeinsatz dabei ist...
Ich lege jetzt mal zu Grunde (darüber werden manche, die schon länger dabei und gut organisiert sind, etwas lächeln) daß ein Hufbearbeiter 6 Pferde am Tag macht. (Ich weiß daß manche 12 oder 15 Pferde am Tag ausschneiden, die muß man aber erst mal gut organisiert, an wenigen Ställen haben und ein Normalsterblicher krabbelt nach 15 Pferden auf allen Vieren zu seinem Auto!)
Theoretisch 45 Min pro Pferd und 30 min Anfahrt, dann sind wir auf 7,5 Stunden pro Tag.
In der Praxis ist die An- und Abfahrt oft deutlich länger und ja, es gibt Pferde, die macht man in 30 min (ohne sabbeln und Gangbildanalyse!), aber besonders ältere Tiere, die viele kleine Pausen brauchen, weil sie fast nicht mehr auf drei Beinen stehen können, nehmen erheblich mehr Zeit in Anspruch (!) und die Pferde und deren Besitzer nehmen das dankend an (!!!), bezahlen wollen sie es in aller Regel aber nicht...
Also 6 Pferde a 50€ = 300€/Tag
Mal 20 Arbeitstage sind 6000 € im Monat! (Klingt erst mal nicht schlecht!) 🤔😊
- 19% MwSt (1140 €) = 4860 € (Na ja komm, ist doch ok...)
- 500€ Krankenversicherung = 4360 €
- 800€ Rentenversicherung = 3560 €
- ca. 250 € für Betriebshaftpflicht, Arbeitsunfähigkeitsvers, Krankentagegeld usw... (da gehen die Beiträge weit auseinander) = 3310 €
- 300 € KFZ (Finanzierung, Leasing o.ä. u. KFZ-Versicherung) =3010 €
- 300 € Sprit = 2710 €
- 150 € KFZ-Werkstatt und Verschleiß (geschätzt) = 2560€
- 200 € Werkzeug, Klamotten etc. (1 Raspel kostet im Schnitt 35 € brauchste jede Woche eine...) = 2360 €
Man könnte das jetzt hier noch ewig weiter führen mit 1%-Regelung KFZ, Werbungskosten, Spesen, Telefon usw... aber lassen wir es mal dabei...
-17,5% Einkommenssteuer (413 €) = 1947 €
(Kann man hier nachrechnen https://www.bmf-steuerrechner.de/ekst/eingabeformekst.xhtml )
Spektakulärer Rest von 6000€/Monat = 1947 €/Monat (weniger als 30% vom Brutto und das ist in der Einzelselbstständigkeit normal !) : 160 Stunden/Monat = 12,16 € Stundenlohn netto! "Reschpekt"!
Die Meisten arbeiten aber erheblich länger als nur 8 stunden am Tag und vom Verdienst bewegt man sich im Bereich einer Putzfrau, die aber im Vergleich zum Hufbearbeiter, eine ausgesprochen leichte, körperliche Arbeit verrichtet und nicht getreten und nicht gebissen wird, obwohl das Pferd das grundsätzlich vorher noch nie gemacht hat!☝️🙈😁
Liebe Pferdebesitzer (bin selber einer): Die ganz ganz große Mehrzahl von Euch hat ihr Pferd als Hobby, aus Leidenschaft und zum reinen Vergnügen, euren Lebensunterhalt verdient ihr damit nicht!
Die ganz ganz große Mehrzahl der Hufbearbeiter macht das, um davon zu leben (!) und wenn ihr euch euer Hobby nicht leisten könnt oder an bestimmten stellen nicht leisten wollt, ist das euer Problem oder das eures vierbeinigen Lieblings, aber nicht das der Leute, die ihr für euer Hobby braucht! Und die wollen das auch nicht zu ihrem Problem machen!
Vielleicht gibt es Hufbearbeiter mit einem sehr kostspieligen Hobby, was bei dem Verdienst nicht einfach sein dürfte.... Wärt ihr bereit dem 70€ oder 80€ fürs ausschneiden zu bezahlen, weil der so gerne Segelfliegen geht? Hmmm wahrscheinlich eher nicht...🤔🙈☝️😁
Wochenend-Hausfrauen-Hufplegekurse:
Mich hat mein "Wochenend-Hausfrauen-Hufplegekurs" in einer Hufbeschlagsschule nähe Hamburg, alles in allem (Kurs+Fahrerei+ Werkzeug+Spesen), etwa 12.000 € (!) gekostet und über ein halbes Jahr ziemlich viele Nerven.
Kann ich jedem Pferdebesitzer wärmstens empfehlen, allerdings für die Kohle könnt ihr euch 240 Mal, alle 6 Wochen, für 50€ die Hufe ausschneiden lassen!
Euer Pferd ist dann knapp 28 Jahre alt! Das sind dann übrigens die eigentlich gerne vernachlässigten Kosten für die Hufpflege in einem Pferdeleben, so lange es keine Eisen braucht!
Wenn ihr es selbst macht, wird es allerdings noch etwas teurer, weil ihr nämlich das oben beschriebene Werkzeug dazu noch braucht und mit einem Hufmesser von Lösdau für 10€ kommt ihr da nicht weit...Die Rückenschmerzen gibt es gratis dazu! ☝️😂🤣😂
So wer bis hier gelesen hat, darf mich nun gerne teeren und federn, aber das ist nun mal der Stand der Dinge in Zahlen ausgedrückt und damit kenne ich mich eigentlich recht gut aus...😉