09/01/2016
„Wir hören oft nicht richtig zu, weil wir mit unseren Widerständen gegen das Gesagte beschäftigt sind“
>> Sechs Tipps für zielführende Gespräche - von Kommunikationsexperte René Borbonus
1. Klarheit macht Kommunikation effektiv. Wer sich bemüht, zu verstehen und verstanden zu werden, kann erfolgreicher arbeiten. Wenn wir andere von einer Idee oder einem Projekt überzeugen wollen, holt uns oft der Fluch der vielen Worte ein. Wir glauben, je mehr Argumente wir auftürmen, desto überzeugender sind wir. Tatsächlich ist es meist umgekehrt: Je mehr wir sagen, desto mehr Widerstände bauen sich bei unseren Gesprächspartnern auf. Aus zwölf Gründen für eine Gehaltserhöhung pickt sich der Chef für seine ablehnende Antwort garantiert den schwächsten heraus.
2. Auch die Reihenfolge spielt beim Argumentieren eine Rolle. Wenn mein Zahnarzt ohne Vorwarnung zu mir sagt: „Die Weisheitszähne müssen wir ziehen“, dann kann er das so gut begründen, wie er will. Ich höre ihm nicht mehr richtig zu, weil ich mit meinen Widerständen beschäftigt bin. Idealerweise schildert der Zahnarzt zunächst das Problem, beschreibt mögliche Folgen und zieht dann erst die Schlussfolgerung.
3. Die meisten Missverständnisse in Gesprächen entstehen, lange bevor wir formulieren. Wir hören oft nicht zu, um unser Gegenüber zu verstehen - wir hören zu, um ihm zu antworten. Während der andere noch redet, legen wir uns schon unsere Erwiderung zurecht. So verpassen wir oft die guten Argumente, die Schnittmengen, die Lösungsansätze. Die Folge: Wir reden aneinander vorbei.
4, Die Wurzel vieler Missverständnisse ist fast immer die gleiche: unser eigenes Denken. Das noch größere Problem aber ist, dass wir in der Regel glauben, was wir denken. Wenn wir unserem Gegenüber zuhören, glauben wir oft, wir seien objektiv und vernünftig. Doch wenn wir direkt involviert sind, trifft das oft nicht zu. Unbewusst vermischen wir Gesagtes und Gedachtes. Die inneren Bewertungen für die Dauer des Zuhörens zurückzustellen ist eine Grundbedingung, damit Dialoge gelingen.
5. In der Online-Kommunikation neigen wir dazu, jeden Blödsinn zu teilen, wenn er uns irgendwie betrifft. Damit fördern wir die Verbreitung von Fehlinformationen. Wir drücken auf „Share“ und achten dabei nicht auf Quelle und Folgen. Bevor wir etwas teilen, sollten wir uns idealerweise immer fragen: Dient die Information wirklich dem Wohl der Angesprochenen? Kann ich die Fakten beurteilen? Kann ich die Botschaft verantworten? Braucht die Welt diese Information wirklich? Und muss sie von mir versendet werden?
6. Klare Kommunikation verlangt also Sorgfalt und etwas Distanz zum Gegenstand beziehungsweise zum Gesagten. Wir neigen dazu, viel zu viel zu sagen und uns zu schnell zu äußern. Der Philosoph Karl Popper hatte für die Geschwätzigen unter seinen Kollegen den Tipp für klare Kommunikation parat: „Wer's nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er's klar sagen kann.“
(Quelle: FOCUS ONLINE 21.11.2015)
Sechs Tipps für zielführende Gespräche - von Kommunikationsexperte René Borbonus