14/05/2026
immer wieder auf den Punkt 🤗
“Pferde müssen nicht geritten werden”?
Oh, jetzt passiert es, ne? Jetzt bekommen schon die ersten Reiter Schnappatmung, oder? Denn klar ist - es gibt bei dieser Aussage zwei Lager und die sind ziemlich unversöhnlich. Die eine Seite sieht im Reiten die reinste Tierquälerei und möchte am liebsten jeden Sattel verbrennen, während die andere Seite felsenfest davon überzeugt ist, dass ein Pferd ohne tägliche Arbeit geistig verkümmert und körperlich in sich zusammenfällt. Und - auch wenn sie es nicht zugeben - für manche dieser Hardliner hat ein Pferd auch keinen Nutzen mehr, wenn es nicht jeden Tag geritten wird. Was soll man dann damit? Die Wahrheit? Beide Seiten liegen falsch und richtig. Also außer, bei dem Teil mit dem Nutzen, der ist Blödsinn and that’s the hill I will die on. Im Prinzip hat keins unserer privaten Pferde einen Nutzen, außer, dass es uns glücklich macht. Aber dann sollten wir eben auch was zurückgeben, damit das Pferd auch glücklich ist.
Fangen wir aber bei den Hardlinern der Reitfraktion an. Da herrscht oft die Vorstellung, ein Pferd müsse bewegt werden, weil es sonst krank wird. Klar, ein Pferd ist ein Lauftier, kein Stehtier. Aber Bewegung ist nicht gleichbedeutend mit reiten. Viele Reiter bekommen schon ein schlechtes Gewissen, wenn das Pferd mal drei Tage nur auf der Koppel stand. Sie denken, der Muskelabbau beginnt nach 24 Stunden und das Pferd fällt vor Langeweile tot um. Ein gesundes Pferd fällt nicht um, wenn es mal eine Woche - oder sogar einen Monat - nicht geritten wird. Solange es sich auf der Weide oder im Offenstall frei bewegen kann, soziale Kontakte hat und nicht in einer Box versauert, ist dem Pferd das Reiten meistens völlig schnuppe. Das Bedürfnis nach täglicher Arbeit unter dem Sattel ist meistens ein rein menschliches Ego-Problem. Ja, es gibt Pferde, die wirklich viel Beschäftigung fordern, aber auch die können mal ne Ferienwoche einlegen, die werden nicht instant depressiv.
Auf der anderen Seite haben wir die „Reiten-ist-Mord“-Fraktion. Diese Leute ignorieren geflissentlich, dass es tatsächlich Pferde gibt, die gearbeitet werden müssen. Wir reden hier von den medizinischen Diagnosen, die im Stallalltag leider zum Standard gehören: PSSM oder MIM, Kissing Spines oder extreme Neigung zu Übergewicht und daraus resultierende Weitererkrankungen, wie Rehe, etc. Ein Pferd mit einer schwachen Rückenmuskulatur und einer schlechten Oberlinie braucht gezielte Arbeit, um seinen eigenen Körper (und ja, manchmal auch den Reiter) gesund tragen zu können. Für ein Pferd mit Stoffwechselproblemen ist Bewegung Medizin. Nö, das Pferd bewegt sich nicht genug (und vor allem korrekt, damit die Muskulatur auch angeregt wird) von selbst. Daher ist korrekte Bewegung eben doch nötig, damit ein Pferd nicht krank wird (oder wieder problemlos laufen kann).
Ja - Ein gesundes, mit ordentlichem Exterieur ausgestattetes Pferd, mit ausreichend freier Bewegung braucht keinen Menschen auf seinem Rücken, um glücklich zu sein. Hauptsache, es hat seine Buddies, sein Futter und einen Platz, um sich bei schlechtem Wetter unterzustellen. Gleichzeitig muss man aber auch einsehen, dass unsere Zucht und unsere Haltungsbedingungen oft Pferde hervorbringen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Und wenn man reiten will, dann muss man muskuläre und konditionelle Vorarbeit leisten und kann nicht einfach sagen - ich lasse das Tier jetzt zwei Jahre stehen, aber dann reite ich los. Andersherum gehen Kondition und Muskeln auch nicht sofort weg, nur weil man mal zehn Tage im Prüfungsstress nicht in den Stall kommt. Ist erlaubt. Echt jetzt.
Foto: Haart sehr. Und wartet darauf, dass ich mit dem Eisenstriegel komme.