27/07/2024
‼️Vergesst die Pferde nicht, hat Hans-Heinrich Isenbarth immer als Schlusswort gesagt‼️ Stimmt! Aber vergesst bitte auch die Pferde-BESITZER nicht! Und genau darum geht es in meinem heutigen Statement!
Eingangs sei gesagt, den Bewegungsablauf eines Pferdes zu manipulieren, sei es mit Schlägen, Gummibändern, sogen. „Schuhen“ oder weiß der Parra, was es da sonst noch für „Hilfsmittel“ gibt, sind strengstens zu verurteilen und zu ahnden! Punkt! Keine Diskussion! Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen tierschutzrelevanten Verhaltensweisen gegenüber der Kreatur Pferd!
Jetzt muss ich aber zu allen derzeit kursierenden Skandalen in der Pferdesportszene mal erwähnen, dass hinter jedem Bereiter/Ausbilder eines Pferdes meist ein entsprechender Pferdebesitzer steht, der sein Pferd in Ausbildung gegeben hat, damit es möglichst erfolgreich an hochkarätigen Turnieren teilnimmt u./o. durch die weitere Ausbildung eine Wertsteigerung erhält, die sich dann entsprechend in einem möglichen Verkauf niederschlagen sollte. Ich unterstelle dem jeweiligen Pferdebesitzer in der Regel auch genügend Expertenwissen, um zu erkennen, ob sein Pferd diesen erhöhten Anforderungen physisch und psychisch gewachsen ist….also, ich hoffe zumindest, dass das bei den meisten so ist.
Nun spielen wir mal folgende Standard-Situation durch: Ein Pferdebesitzer bringt sein (in seinen Augen) hochtalentiertes Pferd zu einem namhaften Ausbilder mit dem Ziel, dass dieser das Talent bestmöglich zu Tage fördern soll und somit eine Wertsteigerung stattfindet. Nun stellt der Ausbilder im Laufe des Trainings fest, dass das ihm überlassene Pferd aus physischen oder psychischen Gründen vielleicht doch nicht so talentiert ist, wie es der Besitzer meint, oder aber, dass die Ausbildung mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als der Besitzer bereit ist, zu tolerieren, aus welchen Gründen auch immer. Der Optimalfall wäre dann natürlich, dass der Ausbilder den Besitzer entsprechend informiert, man sich gemeinsam überlegt, ob ein weiteres schonendes, aber kostspieliges Training des Pferdes Sinn macht oder ob der Besitzer das Pferd wieder abholt bzw. zu einem geringeren Erlös verkauft. Ich würde mal behaupten, dass dieses wünschenswerte Szenario zu 90% NICHT so stattfindet. Warum? Weil der Ausbilder sich darüber im Klaren sein dürfte, dass so ein „Zugeständnis“ für den Besitzer bedeutet, dass er den falschen Ausbilder gewählt hat und das Pferd deshalb kurzfristig anderswo in Ausbildung gibt, in der Hoffnung, dass man hier seinen Wünschen gerecht wird. Jeder Ausbilder lebt von der Ausbildung und meist auch von der Vermarktung seiner Pferde-Klienten und kann sich somit nur schwerlich leisten, wenn Kunden wieder abziehen. Also sagt er nichts und überlegt sich stattdessen, wie er die gewünschte Leistung auf andere – meist weniger schonende Art und Weise – abfragen kann. Tja, und da kommen dann eben leider oftmals Hilfsmittel in den Einsatz, wie oben beschrieben, die wir alle mal so gar nicht tolerieren und das aus gutem Grund, nämlich weil sie tierschutzrelevant sind! Und ob sie am Ende tatsächlich effektiv sind, sei auch mal dahingestellt. Aber das müsste man dann wohl die Herrschaften fragen, bei denen solche Hilfsmittel tagtäglich eingesetzt werden und das sind leider viel mehr, als wir uns in unseren kühnsten Alpträumen vorzustellen vermögen.
Jetzt passiert das, was gerade durch etliche Gazetten geht! Der Ausbilder wird bei seinen tierschutzrelevanten Taten erwischt und logischerweise vor den Kadi gestellt…oder zumindest in den öffentlichen Netzwerken etc. aufs Schärfste verurteilt. Mit Recht, so finde ich!
Jetzt kommen wir aber nochmal zurück zum Pferde-Besitzer, der ja eigentlich so viel Ahnung haben sollte, dass er sich von vornherein dessen bewusst hätte sein müssen, dass man sein vielleicht dann doch nicht ganz so talentiertes Pferd nicht mit normaler schonender und vor allem kurzfristiger Ausbildung zu Höchstleistungen bringen kann. Hat der Besitzer hier also eventuell seine Erwartungshaltung viel zu hoch angesetzt? Hätte er nicht damit rechnen müssen, dass die Ausbildung unter solchen Umständen und meist noch Zeitdruck (WM, BuCha etc. wartet) in der gewünschten Form nicht möglich ist bzw. aus dem Ruder läuft?
Man verstehe mich bitte nicht falsch! Ich will hier unter keinen Umständen die Taten von CD und diversen anderen Herrschaften relativieren. Nie und nimmer darf so etwas passieren! Aber ich möchte Euch alle – und insbesondere die Besitzer solcher Ausnahmetalente - dafür sensibilisieren, dass 1.) eine gute Ausbildung Zeit braucht 2.) so ein WM- oder BuCha-Zirkus NICHT das Maß aller Dinge ist 3.) ihr in der Talent-Beurteilung Eures eigenen Pferdes realistisch bleibt und 4.) ihr in der Verantwortung hinsichtlich der Ausbildung und des Wohlergehens Eures Pferdes bleibt, auch, wenn es irgendwo in einem Ausbildungsstall steht. Einfach aus der Hand geben und sich sagen, dass der andere es schon richten wird, ist nie eine gute Idee! Ehrliche Kommunikation mit dem Ausbilder, ohne Druck aufzubauen, ist zudem das A und O! Ich glaube, wenn man das beherzigt, lassen sich viele unnötige Pferdequälereien, Enttäuschungen, Prozesse wegen diesem und jenem vermeiden! Es gibt sicherlich einige Ausbilder, denen man grundsätzlich kein Tier anvertrauen sollte. Ich behaupte aber mal, dass diese in der Minderzahl sind und die meisten schon bemüht sind, einen guten Job zu machen….wenn ihr sie denn lasst!
In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes Wochenende ☀️ und genau, vergesst Eure 🐎 nicht, denn sie sind von Euch abhängig! Danke! 🙏
Foto: 🐴 WOTILAS 📸 Andreas Geckert