06/07/2026
Nachhaltig wirtschaften - Wasserstandsmeldung, Analyse und Zukunftsentwurf
Wasserstandsmeldung Juli 2026: nach fünf Jahren vollständig aus eigener Tasche finanzierter harter Arbeit an dem Thema Nachhaltig wirtschaften mit drei Büchern zzgl. Dokumentation bei SpringerGabler, nach hunderten Gesprächen mit Politikern von der Kommunalebene bis in den Bundestag hinein, ausführlichen Korrespondenzen mit politischen Stiftungen und damit verbundenen tausenden Reisekilometern wird es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Es hat nichts gebracht. Warum auch immer, uns ist es nicht geglückt, auf politischer Ebene gleich welcher Couleur den richtigen Hebel für eine Veränderung unserer Wirtschaftsweise in Deutschland zu drücken.
Nachhaltig wirtschaften funktioniert!
Wir haben in den letzten Jahren mehrfach den Nachweis erbracht, dass nachhaltig wirtschaften in der Praxis wertschöpfend funktioniert. Das ist uns geglückt, dafür sind wir dankbar und das versorgt uns mit guter Energie. Unser Nachweis ist niedergelegt in dem Buch „Nachhaltig wirtschaften in der Praxis – Empfehlungen, Arbeitsschritte und Best-Practice-Lösungen für den Betriebsalltag“. Das Buch bezieht sich auf ein konkretes Projekt mit einem von uns betreuten mittelständischen Handwerksbetrieb. Dieser gewann mit seinem nachhaltigen Unternehmenskonzept den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026.
Sachlage Deutschland 2026
Die Sachlage der Betriebe in Deutschland im Jahr 2026 ist wie folgt: eine brutale Regulatorik, die der Industrie hilft (mittlerweile auch nicht mehr wirklich) und dem Mittelstand schon gleich gar überhaupt nicht. Die teuersten Energiekosten Europas, von einem Vergleich mit den USA und China ganz zu schweigen. Die höchsten Gesamtarbeitskosten weltweit. Eine der höchsten steuerlichen Gesamtbelastungen für Unternehmen weltweit. Die mit Abstand längsten Genehmigungsverfahren für Betriebe weltweit – sei es Gewerbeanmeldungen, Baugenehmigungen, Umweltgenehmigungen oder Arbeitserlaubnisse. Mit knapp 50% die weltweit höchste Staatsquote (von der Last der Steuern und Abgaben für Privathaushalte ebenfalls bei knapp 50% ganz zu schweigen). Das staatliche Handeln ist wie eine Faust, die die Betriebe mit Macht unter Wasser drückt und ihnen zuruft: „Jetzt fliegt halt endlich.“
Die Ergebnisse des staatlichen Handelns in Stichpunkten: die produktive Nettoinvestitionsquote ist in Deutschland in Bezug zur Welt die mit weitem Abstand niedrigste. Die Entwicklung der Industriearbeitsplätze verzeichnet in Deutschland weltweit den größten Rückgang – während USA und China zulegen, schrumpft der industrielle Kern in Deutschland. Deutschland verzeichnet im Jahr 2026 die stärkste Welle an Industrieabwanderungen seit Jahrzehnten. USA und China erleben einen massiven Zufluss. Funfact: mittlerweile wandern mehr polnische Staatsbürger aus Deutschland nach Polen ab als umgekehrt; in erster Linie junge, qualifizierte Polen.
Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreichen im Jahr 2026 den höchsten Stand seit über 20 Jahren – getrieben von einer Stapelkrise aus hohen Energiepreisen, gestiegenen Zinsen, zäher Konjunktur und strukturellen Schwächen, z.B. der demographischen Krise, digitaler und analoger Infrastrukturdefizite, überbordender Bürokratie, langer Verfahren und einer hohen Steuer- und Abgabenlast. Das ganze Desaster entfaltet seine volle Wucht vor einem erodierenden Geschäftsmodell, dass auf billiger Energie aus Russland fußte, sich an Exporten nach China erfreute und vom kostenlosen militärischem Schutz der USA profitierte.
Nachhaltigkeit in schlechten Kreisen
In Bezug zum nachhaltigen Wirtschaften wissen wir: viele – insbesondere mittelständische und regional arbeitende – Unternehmen würden das sehr gerne praktizieren, doch im Würgegriff der Steuer- und Abgabenlast zzgl. Bürokratie und Regulatorik fehlt ihnen schlicht das Geld für Investitionen. Das gilt für das Handwerk, die Landwirtschaft, den Einzelhandel, den Maschinenbau und es gilt für Startups; es gilt für all die Betriebe, die den Laden am Laufen halten und den Laden sehr gerne weiterentwickeln würden. Doch die Luft reicht gerade für das Überleben; mittlerweile auch nicht mehr für alle.
Die Nachhaltigkeit ist leider gekapert worden von ideologisch getriebenen Systemsprengern, deren Motivlage von der Abschaffung des Kapitalismus über sozialistische Fantastereien, der Verachtung der westlichen Lebensart bis hin zum religiös konnotierten Schuldkult reicht. Mit dem Begriff Nachhaltigkeit schwingen immer mit: Verbote, Strafen, Schuld und Scham. Glauben Sie nicht? Gerne plaudern wir bei einem Glas Bier oder Wein aus dem Nähkästchen. Und dazu können wir mit einem bunten Erfahrungsstrauß an ängstlichen Reflexen und schlicht mangelnder Vorstellungskraft aus dem etablierten Politikbetrieb aufwarten.
Aufgeben ist nicht!
Wie dem auch sei, uns ist es bisher nicht geglückt, die richtigen Knöpfe zu drücken. Wer uns kennt, weiß: aufgeben ist nicht! Wir werden neue Wege versuchen, denn davon sind wir nach wie vor felsenfest überzeugt: Nachhaltig wirtschaften ist das einzige Wirtschaftsprinzip, das dauerhaft funktioniert. Nachhaltig wirtschaften ist wertkonservativ im besten Sinne. Es bewahrt das Gute. Es schützt das Besondere. Es befördert das Neue. Es handelt verantwortlich. Nachhaltig wirtschaften ist signifikant effizienter und intelligenter – und schlicht ökonomisch erfolgreicher. Und nachhaltig wirtschaften ist ideologiefrei!
Suche das Schöne, vermeide den Schmerz
Weil wir schon dabei sind, sprechen wir über unsere gedanklichen Wurzeln in Bezug zum nachhaltigen Wirtschaften. Als Aristippianer sind wir dem Prinzip der Schönheit verbunden. Schönheit als Ausgangspunkt aller Überlegungen führt zwangsläufig zum Prinzip der Nachhaltigkeit, den diese erweist sich im Nutzen für alle Menschen, dem der Schönheit innewohnenden Genuss und der souveränen Handlungshoheit über die Gier. Verbinden wir Aristipp mit Epikur, gelangen wir zum Kern: „Suche das Schöne, vermeide den Schmerz.“ Ja, ein perfekt geflochtener Mistkorb ist schön. Ja, ein goldener Schild, der den Pfeil durchlässt, ist hässlich. Ja, eine nachhaltige Wirtschaftsweise ist wohltuend schön. Ja, eine auf Ausbeutung beruhende Wirtschaftsweise ist schmerzhaft hässlich.
Nachhaltig wirtschaften in unseren Worten
Was verstehen wir unter einer nachhaltigen Wirtschaftsweise? Eine halbkurze Gedankenskizze hierzu: Nachhaltigkeit umfasst im Kern die Eigenverantwortung, die kulturelle Identität, die regionale Wertschöpfung, die Freude an Leistung, Mut zur Familie, den Willen zur guten Bildung und den öffentlichen und privaten Wohlstand. Nachhaltiges Handeln ist aus unserer Sicht ein kraftvolles Ermächtigungswerkzeug, seine persönlichen Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen und die Geschicke der Gesellschaft trefflich zu gestalten. Nachhaltig wirtschaften ist ausbeutungsfrei, bildet einen Kapitalstock und zahlt Zinsen auf die Zukunft ein. Nachhaltig wirtschaften schafft ein dauerhaft stabiles Fundament für Wohlstand und Wohlfahrt.
Nachhaltigkeit in der Ökologie
Nachhaltig wirtschaften ist gesund für Menschen und Umwelt. Deutschland als (Noch)-Hochtechnologieland kann einen wertvollen Beitrag für die ökologische Gesundung unseres Planeten leisten. Mit durchdachter und gewollter Technologieoffenheit. Kein Vogelschredderstrom aus der verkabelten Windspargel-Landschaft. Keine Solarenergie, die bei 30 Grad Celsius schlappmacht. Keine Bahn, die nicht liefert. Keine dieselgetriebenen Lieferketten im Stau auf der Autobahn mit armen Mindestlohnschluckern am Steuer. Ökologische Nachhaltigkeit fußt – wie alles – auf dem Prinzip der Schönheit. Nur als Beispiel: Flächenfraß für Billigkonsum – Wegwerfprodukte von ausgebeuteten Menschen für prekäre Konsumenten – ist schmerzhaft hässlich.
Nachhaltigkeit in der Ökonomie und Bildung
Nachhaltig wirtschaften ist im Kern eine kulturelle Vereinbarung. In Stichpunkten: Binnenökonomie vor globalisiertem Neoliberalismus. Stärkung der Inlandsnachfrage an heimischen Produkten und Dienstleistungen. Vertiefung der Wertschöpfungskette in Deutschland. Resiliente, widerstandsfähige Geschäftsmodelle, die den Verwerfungen des Weltgeschehens weniger ausgeliefert sind. Konsequente Ausbildung junger Menschen in praktischen Fächern und Fähigkeiten von MINT-Berufen über Landwirtschaft bis Hauswirtschaft (damit verbunden ist eine drastische Einkürzung staatlich finanzierter Geisteswissenschaften). Konsequente Technologieförderung in den Bereichen Energie, KI, Landesverteidigung. Bereitstellung günstiger Energie – auf mittlere Sicht vorzugsweise aus heimischen Quellen. Günstige Energie bedeutet Wohlstand. Massive Steuersenkungen für KMU, das Handwerk und die regionale Landwirtschaft. Beförderung der idealerweise regional organisierten Kreislaufwirtschaft. Intelligente Materialwirtschaft durch maximale Wiederverwertung. Stopp von Subventionen, die das Wirtschaftsgeschehen verzerren. Schluss mit der Interventions-Spirale.
Nachhaltigkeit als soziale Dimension
Ein sozial nachhaltiges Leben ist ein Leben in Freiheit und Verantwortung. Der Hauptsatz hierzu: Selbstermächtigung jedes Bürger, seines Glückes Schmied zu sein. Damit verbunden ist die Übernahme von Verantwortung für sein Land – Bürger haben Rechte und Pflichten. Zurückschnitt des Sozialstaates insbesondere in den Bereichen, in denen ein krasses Missverhältnis aus Einzahlern und Leistungsempfängern besteht. Stärkung des Gemeinwesens durch sinnvolles Ehrenamt – insbesondere in Vereinen, die dem Brauchtum, der Tradition, dem aktiven Miteinander verpflichtet sind und alle Generationen tatkräftig einbinden. Vereine sind zentrale Kulturträger und Kulturvermittler in unserem schönen Land, zum Beispiel im Sport, der Musik, der Heimatpflege incl. Naturschutz bis hin zum Schützenwesen. Stärkung der klassischen Familie – Papa, Mama, Kinder – als Keimzelle des Staats. Paradigmenwechsel in der Schule: Eltern erziehen, Lehrer bilden. Förderung des sozialen Miteinanders und der Freude an Leistung. Gleichgewichtung von praktischen, handwerklichen Fähigkeiten, Organisationsgeschick und wissenschaftlichem Talent.
Nachhaltigkeit in der Politik
Die politischen Aspekte der Nachhaltigkeit seien nur kurz angerissen: Halbierung des Bürokraten-Apparats. Unsere Erfahrung: wir haben weniger ein Bürokratieproblem, wir haben vielmehr ein Bürokratenproblem – allzu oft dominiert die Absicherung nach innen, der Gestaltungswille tritt dahinter zurück. Reinigung und Klärung der politischen Diskurskultur durch Abschaffung der staatlichen Unterstützung politisch aktiver NGOs gleich welcher Gesinnung incl. dem Stopp der Mittelzuflüsse aus dem Ausland. Frieden halten in allen Himmelsrichtungen als oberste Maxime der Außenpolitik. Anerkennung anderer kultureller Vereinbarungen in anderen Ländern, ohne diese zu bewerten. Konsequente Vertretung deutscher Interessen in Partnerschaft. Rückführung der EU auf ihren ursprünglichen Kern, der Wirtschaftsgemeinschaft.
Wohlstand und Wohlfahrt
Das bedeutet unter Umständen eine Reduzierung des Reichtums weniger Menschen. Es bedeutet einen Zuwachs an Wohlstand vieler Menschen, insbesondere derjenigen, die ihr Leben aus eigener Kraft meistern wollen, die Verantwortung übernehmen für ihre Familie, ihr Dorf, ihre Stadt, unser Land und sich unseren Werten in Wort und Tat verpflichten, zuvorderst unserem Grundgesetz. Wohlstand speist sich aus dem individuellen Leistungsvermögen, der Leistungsbereitschaft und aus der Wohlfahrt, die durch das verbindende soziale Engagement öffentlichen Wohlstand schafft. Wohlstand bedeutet ein Leben in Würde und Gemeinschaft.
Analyse und Appell
Unser bisheriges System, der Liberalismus, ist doppelt an seinem Ende angekommen. Zum einen kommt der Neoliberalismus als Wirtschaftsprinzip an sein Ende, der Grenznutzen ist erreicht. Zum anderen kommt der Liberalismus mit seinem Hyperindividualismus und der damit verbundenen Auflösung jeder sozialen Bindung an sein Ende. Eine atomisierte Gesellschaft löst sich kulturell auf, sie wird gestaltungsunfähig.
Motzen und meckern mögen der vorübergehenden seelischen Entlastung dienen, wohlfeile Kritik am Bestehenden ist bestenfalls ein Anfang, doch keine Lösung. Unser Land braucht Menschen mit Mut, die im Widerstand gegen das offensichtlich Falsche wachsen und einen konstruktiven Beitrag für eine lebenswerte Zukunft leisten. Für eine Veränderung hin zur Verbesserung und Fortschritt muss man ins Handeln kommen.
Die mächtigsten Werkzeuge für die Veränderung der Zukunft liegen in der Hand der Gesellschaft und der Politik. Unternehmen können nur innerhalb der Tatsachen arbeiten – sie wirken innerhalb der normativen Kraft des Faktischen. Gesellschaft und Politik können Tatsachen verändern, sie können Zukunft gestalten – sie schaffen die normative Kraft des Faktischen. Unternehmen arbeiten IM System. Gesellschaft und Politik arbeiten AM System.
Kurz gesagt: Es wird höchste Zeit, die Idee des nachhaltigen Wirtschaftens wieder dahin zu bringen und mit Leben zu erfüllen, wo sie hingehört – in die Hände kompetenter, ideologiefreier und konservativer Menschen, die großes Interesse haben, eine lebenswerte Zukunft im schönsten Land der Welt – in Deutschland – aufzubauen.
Die Grundlage ist immer der lebendige Dialog – die Auseinandersetzung, das Zusammenraufen, die bessere Lösung, das klügere Konzept, das viele Menschen erreicht, überzeugt und zum Mitgestalten ermuntert. Wir bringen wir uns weiterhin gerne ein im Miteinander eines lebendigen Diskurses, einen wertkonservativen ideologiefreien Zukunftsentwurf mit enormer Strahlkraft zu entwickeln. Wir glauben, die Zeit ist reif dafür.
Ihre
Anja & Stefan Theßenvitz
… und warum das Foto mit den Rosen? Es ist einfach schön …