12/12/2025
Der GBA hat entschieden; doch nun warten wir erneut! Was sagt der Vermittlungsausschuss am 17.12.25
🩹 Silberhaltige Wundprodukte: Verbandmittel oder Arzneimittel?
G-BA schafft Klarheit (Beschluss vom 09.12.2025)
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat mit den Tragenden Gründen zur Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL, Anlage Va) eine wichtige Weichenstellung für die Wundversorgung vorgenommen.
🔍 Kernpunkt der Entscheidung:
Silberhaltige Wundprodukte sind künftig nicht automatisch Verbandmittel.
➡️ Entscheidend ist die Wirkweise des Silbers:
• Gibt ein Produkt Silber bzw. Silberionen (Ag⁺) in die Wunde ab oder hat direkten Wundkontakt,
👉 liegt eine pharmakologische Wirkung vor.
👉 Das Produkt gilt dann nicht mehr als Verbandmittel, sondern als „sonstiges Produkt zur Wundbehandlung“ nach AM-RL.
• Nur silberhaltige Produkte ohne Freisetzung von Silberionen und ohne direkten Wundkontakt können weiterhin als Verbandmittel mit ergänzender Eigenschaft eingeordnet werden.
🧪 Grundlage der Bewertung ist eine umfangreiche Literaturrecherche des G-BA, die zeigt:
Silberionen wirken antimikrobiell durch Wechselwirkungen mit Proteinen, Zellwänden und DNA – und erfüllen damit die Kriterien einer pharmakologischen Wirkung.
📌 Was bedeutet das für die Praxis?
• Verordnungen silberhaltiger Wundprodukte müssen künftig kritischer geprüft werden.
• Pflegefachpersonen, Ärzt:innen und Wundexpert:innen benötigen aktuelles Wissen zur rechtlichen Einordnung.
• Für Schulung und Ausbildung gewinnt die Unterscheidung „Silber ja – aber wie?“ deutlich an Bedeutung.
Sobald Silberionen in der Wunde wirksam werden können, ist das Produkt kein Verbandmittel mehr.
📄 Quelle:
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Tragende Gründe zur Änderung der AM-RL, Anlage Va – Silberhaltige Produkte, 09.12.2025
Die Einordnung silberhaltiger Wundprodukte durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bringt rechtliche Klarheit – sie bringt aber auch große Verantwortung für die Versorgungspraxis mit sich.
Menschen mit chronischen Wunden brauchen weiterhin eine sichere, wirksame und differenzierte Versorgung. Silberhaltige Produkte haben dabei – richtig eingesetzt – über Jahre eine wichtige Rolle gespielt, insbesondere bei lokal infektgefährdeten Wunden.
⚠️ Meine Sorge:
Wenn Unsicherheit in der Verordnung entsteht oder bewährte lokale Maßnahmen vorschnell wegfallen, besteht die Gefahr, dass:
• häufiger systemische Antibiotika eingesetzt werden,
• Infektionen weniger lokal kontrolliert werden,
• und damit langfristig Resistenzen zunehmen.
Gerade vor dem Hintergrund multiresistenter Erreger wie MRSA wäre das ein Schritt in die falsche Richtung.
Was wir jetzt brauchen:
• Klarheit darüber, wann Silber sinnvoll ist – und wann nicht
• Sicherheit in der rechtlichen Einordnung
• und vor allem fachliche Kompetenz, um lokale antimikrobielle Strategien verantwortungsvoll einzusetzen, statt sie pauschal zu vermeiden.
📚 Schulungen als Schlüssel, um Versorgungssicherheit zu erhalten.