29/08/2022
Preussische See-Assecuranz-Compagnie
Stettin, 01.05.1825, Gründer-Namensaktie über 750 Thaler, links sehr schöne Vignette mit Segelschiff, Auflage 800 Stück, ausgestellt auf Seine Majestät den König von Preußen, rückseitig am 13.12.1853 und 19.04.1856 übertragen, Originalsignaturen und rückseitige Vermerke, uns bisher unbekannte Rarität, nur dieses eine Stück ist uns bekannt, R12. Die einzige uns bekannte deutsche Aktie, die auf einen deutschen König ausgestellt ist!
1770 errichtete die in Berlin konzessionierte See-Assecuranz-Gesellschaft eine Filiale in Stettin, die jedoch nur wenig Erfolg hatte und ihre Tätigkeit schon bald wieder einstellte. Zu dieser Zeit wurde der größte Teil der Versicherungen sowohl gegen See- als auch gegen Feuergefahr bei ausländischen Gesellschaften abgeschlossen, mit denen die Stettiner Kaufleute in geschäftlichem Kontakt standen. Erfolgreicher verlief dagegen die Gründung der Preußischen See-Assecuranz-Compagnie. In der 68. Sitzung des Staatsministeriums am 6. Dezember 1820 wurde die Gründung beschlossen. Gründer waren die Kaufleute Wißmann, Steinicke, Weiß, Witzlow und Gribel. Die Gesellschaft war die erste Aktiengesellschaft Stettins! Sie wurde aufgrund der Allerhöchsten Cabinets-Ordre vom 5. Januar 1821 am 12. März 1825 gegründet. Bei der Gründung war die königliche Regierung in Stettin involviert. Das Grundkapital betrug 600.000 Thaler und wurde in 800 Aktien zu je 750 Thaler aufgeteilt. 20 Prozent des Nominalwertes, also 150 Thaler, wurden beim Empfang der Aktie bar eingezahlt, über den Rest von 600 Thaler musste der Aktionär zwei Monate nach Aufforderung durch die Direktion einen Sola-Wechsel ausstellen. Auf die ersten baren Einschüsse zahlte die Gesellschaft vier Prozent Zinsen. Die Gesellschaft wurde auf 15 Jahre unter der Bedingung errichtet, dass „die Assecuranzgesellschaft, wenn sie nicht das erwartete Gedeihen gewinnen sollte, die Abkürzung des bemerkten Zeitraums und Zulassung anderer ähnlicher Versicherungsanstalten sich gefallen lassen muss“. Versichert wurden die „Gefahr zur See und auf Ströhmen“ sowie „Türkengefahren“. Letzteres bezeichnet das im 15. bis 17. Jahrhundert in Folge der Türkenkriege in der europäischen Öffentlichkeit verbreitete Schreckbild des Osmanischen Reiches als Bedrohung des christlichen Abendlandes durch eine islamische Macht. Die Direktion bestand aus fünf Aktionären, die alle in Stettin wohnhaft und Eigentümer von mindestens zehn Aktien sein mussten. So lange die Seehandlungs-Societät Mitglied der Compagnie war und Eigentümerin von mindestens 50 Aktien, stellte sie immer einen der Direktoren. Durch Allerhöchsten Erlass vom 21. September 1848 wurde die Gesellschaft anderweitig geordnet, genau wie am 21.07.1852. Nach dem 1852 revidierten Statut versicherte sie auch gegen Feuergefahr, Seegefahr und Stromgefahr. Bis zum Jahr 1862 ging das Grundkapital durch Verluste von 450.000 Thaler auf 400.000 Thaler zurück. Zu diesem Zeitpunkt standen noch 600 Aktien aus. Danach entwickelte sich die Gesellschaft jedoch sehr erfreulich. In den 1870er-Jahren wurden Dividenden von 16 und 18 Prozent gezahlt. Die Gesellschaft wurde 1884 „unter günstigen Bedingungen für die Aktionäre“ aufgelöst.
Das Stück ist das Highlight unserer 61. Auktion am Samstag, 3. September 2022!
Hier könnt Ihr live und online mitbieten: https://www.invaluable.com/auction-lot/preussische-see-assecuranz-compagnie-2684af8aea