Warum Barhuf? Die Eisen sind nicht mehr fest zu kriegen, Bänder und Sehnen sind ständig gereizt und die Gelenke und Knochen des treuen Freundes sind auch stark in Mitleidenschaft gezogen. Kurz gesagt, das Pferd gilt als nicht mehr reit- bzw. nutzbar. Bevor Besitzer den finalen und schweren Schritt gehen und den Tierarzt rufen um das Pferd zu erlösen, wird Barhuf oft erst als letzte Therapiemöglich
keit in Betracht gezogen. Wer jetzt denkt, das sei ein gerade aufkommender Trend, dem sei das Buch „Bein- und Hufleiden der Pferde“ von Oberst P. Spohr empfohlen, darin trifft der Experte schon vor mehr als einer Dekade folgende Aussage: „Im Ganzen bildet das Barfußgehen die Quintessenz jeder richtigen Huf- und Beinkonservierung und wird später noch als wesentliches Glied der Heilmethode fast aller Hufübel Erwähnung finden.“
Der vermeintlich neuartige Trend ist also schon etwas in die Jahre gekommen, doch weshalb lernen Menschen so langsam? Bereits in den 80er Jahren konnte man in Fachzeitschriften von Schädigungen an der Wirbelsäule und den Hufen lesen. Um den Huf eines jungen Pferdes im anspruchsvollen –oder übermäßigen- Training zu schützen, sind Eisen logischerweise notwendig. Dass der zu frühe Einsatz –egal welcher Beschlagsart- die Entwicklung der jungen Pferdehufe hemmt, und somit als Anfang vom Ende gesehen werde muss, wird gerne ignoriert. Vielleicht ist die aber auch die Tatsache, dass das Strahlpolster erst mit etwa sieben Jahren vollends ausgebildet ist auch nicht jedem bekannt. Die häufig zu Hilfe gerufenen Tierärzte versuchen, die deutlichen Beschwerden sehr häufig durch orthopädische Beschläge, Eier- oder Schenkeleisen zu lindern. Die Verletzungen im, sowie die Einschränkung in der Entfaltung der Hufe ist jedoch bei jeder Art von Beschlag ein notwendiges Übel und hindert das Pferd oft daran wieder Schritt für Schritt ins Leben zurück zu gehen. Schließlich wurden die Probleme erst dadurch verursacht bzw. verstärkt. Nach der Umstellung auf Barhuf kann bei vielen Pferden ein deutlich verstärkter Bewegungsdrang und ein abflachen der Symptomatik erkannt werden, was durchaus darauf zurückzuführen ist, dass der Huf nicht mehr so eng gehalten und besser durchblutet ist. Die Entscheidung zum Barhufgänger kann –wenn sie rechtzeitig getroffen wird- Pferden, die bei konservativem Vorgehen sicher ihrem Termin beim Abdecker gehabt hätten, ein langes und beschwerdefreieres Leben bescheren. Ein Huf und die in ihm vorhandenen Strukturen können sich –je nach dem Grad der Schädigung- wieder erholen. Es braucht jedoch die Bereitschaft der Besitzer aus dem Mainstream auszubrechen und der Natur ihre Chance zu geben.