10/10/2025
Das geplante Abkommen, ein zentraler Bestandteil der britischen Wachstumsstrategie, soll bis 2027 die Kontrollen für Lebensmittel- und Tierhandel mit der Europäischen Union abschaffen. EU-Diplomaten zeigen sich jedoch zunehmend skeptisch, da das Vereinigte Königreich bislang nicht das vollständige Kontrollsystem umgesetzt hat, das im Windsor-Abkommen von 2023 festgelegt wurde.
„Wenn sie nicht einmal das umsetzen, was bereits versprochen wurde – warum sollten wir ihnen dann bei einem größeren Abkommen vertrauen?“, sagte ein EU-Diplomat.
Vertreter der Europäischen Kommission betonen, dass das Vereinigte Königreich sicherstellen müsse, dass alle Kontrollen ordnungsgemäß durchgeführt werden und EU-Inspektoren bis zum 1. November vollen Zugang zu den IT-Systemen für Paket- und Frachtverfolgung erhalten. Dazu gehört auch die korrekte Kennzeichnung und Zertifizierung sämtlicher Waren, die aus Großbritannien nach Nordirland geliefert werden.
Drei EU-Diplomaten berichteten, dass die aktuellen Inspektionsraten deutlich unter dem vereinbarten Niveau von zehn Prozent liegen und viele Produkte nicht den Vorschriften entsprechen. Unter den Verstößen befanden sich auch Lieferungen südafrikanischer Orangen – in der EU verboten, da sie den Pilz Citrus Black Spot enthalten können, der die europäische Zitrusindustrie bedrohen würde.
Auch die Republik Irland äußerte Besorgnis über unkontrollierte Waren, die über die Grenze gelangen und anschließend in den EU-Binnenmarkt weitertransportiert werden könnten.
In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten das Vereinigte Königreich und die EU letzte Woche die „vollständige operationelle Umsetzung aller SPS-Inspektionsanlagen sowie die Einhaltung der Zertifizierungspflichten“, um sicherzustellen, dass Handelserleichterungen nur für konforme Waren gelten.
Für das Vereinigte Königreich hat die Angelegenheit erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Finanzministerin Rachel Reeves soll das Office for Budget Responsibility gebeten haben, den erwarteten wirtschaftlichen Impuls aus dem neuen Abkommen in seine Prognosen aufzunehmen – ein Schritt, der ihr helfen könnte, ihre fiskalischen Ziele zu erreichen.