14/12/2020
Zum Abschluss unserer Reihe der Buchrezensionen wagen wir uns an hohe Kost.
Alex Pattakos übernimmt Viktor E. Frankls “Gefangene unserer Gedanken”, beschreibt dessen sieben Prinzipien, die Leben und Arbeit Sinn geben und überträgt diese auf das Berufsleben. Soweit in die Tiefe können wir hier nicht gehen. Wir möchten uns auf die sieben Prinzipien beschränken und zum Lesen anregen.
Der Psychiater Viktor Frankl hat im Konzentrationslager deshalb überlebt, weil ihm sein “Wille zum Sinn”, wie er selbst beschreibt, zu innerer Freiheit verholfen hat. Er beschreibt die Wahl eines jeden Menschen, sich als rechtloses Opfer zu fühlen oder zu versuchen die Situation gestaltend anzunehmen. Demnach hat er sieben Prinzipien abgeleitet, die seine Philosophie untermauern.
Diese Art die Welt zu sehen wollen wir heute mit Ihnen teilen, da es ein wertvoller Impuls sein kann, für alle jene die gerade in dieser Zeit weder Ausweg noch Sinn erkennen können.
Erstes Prinzip: Wir haben die Wahl, ob wir Opfer oder Gestalter der Umstände sein wollen.
Zweites Prinzip: Diese Wahlfreiheit erreichen wir nur, wenn wir den “Willen zum Sinn” haben.
Drittes Prinzip: Sinn offenbart sich nicht in erreichten Zielen, sondern im sinnvoll genutzten Augenblick.
Viertes Prinzip: Wer stur sein Ziel im Blick hat, erkennt häufig zu spät, wie weit er schon vom Weg abgekommen ist.
Fünftes Prinzip: Abstand zu sich selbst, gepaart mit der Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, ist ein Indiz dafür, auf dem richtigen Weg zu sein.
Sechstes Prinzip: Wenn kein “ich” mehr stört, lassen sich Probleme gedanklich neu untersuchen: Es geht um das Problem und nicht ums eigene Ego.
Siebtes Prinzip: Wer konstruktiv und kreativ mit anderen Menschen umgeht, baut Verbundenheit auf und wächst damit über sich selbst hinaus.
Daraus ergibt sich folglich, dass wer seiner Arbeit und seinem Leben Sinn geben kann, im Einklang mit sich selbst legt. Dies ist der Kern aller Arbeiten von Viktor Frankl, die Suche nach dem Sinn und einem erfüllten Leben.
Frankl unterstreicht vordergründig mit der Tatsache, dass sich Menschen in ihrem Leben gerne einrichten und das was sie vorfinden als gegeben hinnehmen. Die Bequemlichkeit sich selbst als Opfer der Umstände hinzunehmen raubt die Möglichkeit Umstände zu beeinflussen. Nur wer ausbricht, könne sein eigenes Leben sinnvoll gestalten.
Dazu gehört laut Frankl auch, dass wir unsere Einstellung gegenüber allem, was uns widerfährt frei wählen können. Wir können uns bewusst für sinnvolle Werte und Ziele einsetzen. Dazu gehört, dass wir in jedem einzelnen Augenblick unseres Lebens Sinn entdecken und die Fähigkeit entwickeln, nicht gegen uns selbst zu arbeiten. Hilfreich dabei ist der Perspektivenwechsel, sprich uns aus einer gewissen Distanz zu betrachten und uns selbst nicht allzu ernst zu nehmen. So wie wir unsere Aufmerksamkeit ausrichten, können wir schwierige Situationen bewältigen.
Die frohe Botschaft der sieben Prinzipien lautet sogleich, dass es nicht nur den einen Weg gibt. Es steht jeder Person frei, ihren eigenen persönlichen Weg zu wählen und die Verantwortung übernehmen, diesen auch zu beschreiten. Dass dies nicht die einfachste Variante ist, sondern im Gegenteil anstrengend und fordernd, ist ein Teil vom Spiel. Davor kneifen würde allerdings bedeuten, große Möglichkeiten zu verschenken und Lebensqualität zu verlieren.
Äußere Umstände lassen sich oft nicht beeinflussen und schon gar nicht verändern. Einzig unser Umgang und das Entwickeln von entsprechenden Verhaltensweisen kann Veränderung ermöglichen. Alles ist und bleibt eine Frage der inneren Einstellung. Und. Der Handlungen, die daraus erfolgen. Kleine Schritte, große Schritte, alles was von Nöten ist, unser Leben bewusster zu führen und im Einklang mit uns selbst zu leben.
Jede Änderung hat auch positive Aspekte. Die Schwierigkeit besteht eventuell darin, diese zu erkennen und sichtbar zu machen.
Und Sie? Was ziehen Sie vor - Teil des Problems oder Teil der Lösung zu sein?
Johanna Pichler und Andrea Luiprecht
Gründerinnen der JA_Consulting