23/07/2026
Erst „bestmögliche Expertise“. Dann selektive Amnesie.
Dieses HORIZONT-Interview ist einen Repost wert, weil es unbeabsichtigt zwei Dinge sehr klar macht.
Erstens: Media Inventory, Trading und Principal Media sind kein exotisches Konstrukt, sondern ein etabliertes und wirtschaftlich relevantes Geschäftsmodell. Kollat nennt Trading selbst die „größte Cashcow der Mediaagenturen“. Entscheidend ist nicht das Modell an sich, sondern ob es transparent, dokumentiert und im Interesse der Werbungtreibenden umgesetzt wird.
Zweitens: Kollat verwendet meinen Namen als historische Warnmarke und erklärt, seit dem damaligen Verfahren habe sich „erstaunlich wenig“ verändert.
Was er dabei auslässt: 2009 holte Kollat Media Team David Linn – wenige Monate nach dessen Verurteilung im selben Komplex – ausgerechnet für Auditing und Transparenz ins Unternehmen. Jens Kollat sprach damals von der „bestmöglichen Expertise“. Diese Expertise blieb über viele Jahre im Haus.
Nach Linns öffentlich angekündigtem Ausscheiden folgt wenige Wochen später dieses Interview.
Man darf seine Haltung ändern. Man darf Missstände benennen. Aber man sollte dann auch die eigene Geschichte transparent erzählen.
Solange die einschlägige Erfahrung im eigenen Haus war, hieß sie „bestmögliche Expertise“. Kaum war sie nicht mehr verfügbar, wurde derselbe Themenkomplex zum öffentlichen Problem.
Das ist der eigentliche Zynismus: nicht die Forderung nach Transparenz, sondern die selektive Erinnerung. Die eigene langjährige Personalentscheidung bleibt unerwähnt; mein Name dient stattdessen – qua fehlender eigener KTM-Kompetenz - erneut als moralische Kontrastfolie.
Ich kenne diese Mechanismen aus unmittelbarer eigener Erfahrung. Dass auch Jens Kollat diese Erfahrung zu schätzen wusste, zeigten seine erfolglosen Angebote.
Werbungtreibende brauchen keine nachträgliche Moralisierung, sondern belastbare Transparenz. Genau diese praktische Transparenz ist seit Jahren Teil unserer erfolgreichen Arbeit bei INZIDE.
Das Interview ist deshalb doppelt lesenswert: als Beleg für die Marktüblichkeit von Media Trading – und als Lehrstück darüber, wie schnell aus geschätzter Expertise nach ihrem Weggang ein öffentlich beklagter Missstand wird.
Transparenz ist richtig. Sie muss nur bei der eigenen Geschichte anfangen. INZIDE was alle schon immer wissen wollten und nur wir gesagt haben.
Inventory Media gewinnt bei Mediaagenturen an Bedeutung. Jens Kollat, Geschäftsführer und Gründer Kollat Media Team, kritisiert das Geschäftsfeld im HORIZONT-Interview scharf und fordert mehr Transparenz.